Auktion 296 | 16.07.2020 11:00 Uhr | Moderne Kunst

Paul Klee | „Jungfrau im Baum“ (Jungfrau träumend)

Paul Klee: „Jungfrau im Baum“ (Jungfrau träumend)
Paul Klee: „Jungfrau im Baum“ (Jungfrau träumend)
Paul Klee: „Jungfrau im Baum“ (Jungfrau träumend)

Los 417N

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    Moderne Kunst

    Titelbild:
    Henry Moore, Two seated figures against wall, 1960
    © The Henry Moore Foundation. All Rights Reserved/VG Bild-Kunst, Bonn 2020

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Paul Klee

1879 Münchenbuchsee – Muralto-Locarno 1940

„Jungfrau im Baum“ (Jungfrau träumend)

Radierung auf festem, chamoisfarbenem Velin. 1903. Ca. 23,5 x 29,5 cm (Blattgröße ca. 32 x 41 cm). Eines von 30 nummerierten Exemplaren. Signiert unten rechts, datiert, betitelt und mit der Werknummer „2“ unten links.

Details

Kornfeld 4 c (von c), eines der dort aufgeführten Exemplare.

Beschreibung

Blatt 3 des Zyklus „10 Inventionen“. Das im Juli 1903 in Bern entstandene Blatt „Jungfrau im Baum“ ist eine der ersten bedeutenden Druckgraphiken im Œuvre Paul Klees. Erst im Jahr zuvor war Klee nach dreijährigem Studium in München und einer mehrmonatigen Italienreise zurück in seine Heimatstadt gekommen. Mit neu gewonnenem künstlerischen Elan entstehen nun von 1903 bis 1905 zehn Radierungen, die er als Zyklus unter dem Titel „Inventionen“ zusammenfasst. Voller Tatendrang radiert Klee von Juli bis September bereits die ersten fünf Blätter des Zyklus, den er als seine erste abgeschlossene Werkgruppe betrachtet. Gedruckt werden sie im Berner Atelier des Druckers Max Girardet. Klees Tagebucheinträge aus dieser Zeit zeichnen seine anfangs etwas zögerliche Annäherung an die Druckgraphik nach. Noch in München, wo er bei Walter Ziegler das Radieren lernte, notiert er 1901: „Bald bildete ich mir ein, ich könne zeichnen, bald sah ich, dass ich nichts konnte. Im dritten Winter sah ich sogar ein, dass ich wohl nie würde malen lernen. Ich dachte an die Plastik und begann mit Radieren. Nur zur Musik habe ich stets gut gestanden.“ Zunächst entsteht aber lediglich ein „Abenteuerlicher Fisch“ sowie ein Exlibris (Kornfeld 1 und 2). Erst im Sommer 1903 wendet er sich erneut der Radierung zu. Er ist entschlossen, ein erstes eigenständiges künstlerisches Statement abzugeben, und findet dazu in der Radierung eine klare Struktur, nachdem er durch seine erfolglosen Bemühungen um die Malerei entmutigt war: „Gegen Ende des Monats (Juni) bereite ich Radierungen vor; zuerst einmal durch Erfinden geeigneter Zeichnungen. Nicht dass ich nun ein Spezialist werden möchte. (…) Gegenwärtig bin ich ein sehr müder Maler, aber im übrigen ein dauernd potenter Graphiker.“ Wenig später schreibt er dann im Juli zu dem Blatt „Weib und Tier“ (Kornfeld 3): „Der erste Wurf ist wenigstens technisch gelungen.“ Sowie zu dem Blatt „Jungfrau im Baum“: „Technisch entwickelter, durch Anwendung verschiedener Strichstärken. Zuerst radierte und ätzte ich die Konturen des Baumes. Dann die Modellierung des Baumes und die Konturen des Körpers, dann die Modellierung des Körpers und des Vogelpaares.“ Zur Thematik des Blattes notiert er: „Die Tiere (Das Vogelpärchen) sind natürlich und zu zweit. Die Dame will durch die Jungfrauenschaft etwas Besonderes sein, ohne dadurch eine sehr glücklicher Figur zu machen. Kritik der bourgeoisen Gesellschaft.“ In dieser Serie verzerrt er, gegen die klassische akademische Ausbildung rebellierend, die Anatomie des weiblichen Aktes radikal. Die „Jungfrau im Baum“ stellt in ihrer grotesk missgestalteten Art und wie sie über einen knorrigen Baum drapiert ist eine Antithese eines romantischen, idealisierten Aktes dar. Mit der parodierten allegorischen Darstellung des Frauenkörpers drückt Klee seine Entfremdung vom bürgerlichen Konservatismus aus. Schon in diesem frühen Radierzyklus, mit dem sich Klee als Künstler etablieren konnte, wird sein Wunsch sichtbar, sich zunehmend mit seiner künstlerischen Ausdrucksweise in seine eigene Vorstellungskraft zurückzuziehen. Obwohl er sich in den folgenden Jahren wieder der Malerei zuwendet, bleibt die Druckgraphik weiterhin ein fester Bestandteil seines künstlerischen Schaffens. – Schwach lichtrandig und fleckig, kleine oberflächliche Papierläsuren und Bereibungen, Kanten leicht bestoßen, kleine Knickspuren, verso schwache, teils hinterlegte Papierausdünnungen, sonst gut.

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