Auktion 296 | 16.07.2020 11:00 Uhr | Moderne Kunst

Max Ernst | Horizon

Max Ernst: Horizon
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Los 423N – Highlight

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    Moderne Kunst

    Titelbild:
    Henry Moore, Two seated figures against wall, 1960
    © The Henry Moore Foundation. All Rights Reserved/VG Bild-Kunst, Bonn 2020

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Max Ernst

1891 Brühl bei Köln – Paris 1976

Horizon

Öl auf Leinwand. (1926). Ca. 22 x 27 cm. Signiert unten rechts. In Künstlerrahmen.

Details

Spies 996.

Literatur: McNab, Robert, Ghost Ships. A Surrealist Love Triangle, New Haven 2004, Nr. 82, farb. Abb. S. 164.

Ausstellung: Collection de peintures de nos jours appartenant à Serge Lifar, Galerie Vignon, Paris 1929.

Provenienz: Sammlung Serge Lifar (1904-1986), Paris, verso auf dem Keilrahmen und Rahmen handschriftlich bezeichnet;
Privatsammlung, Monaco;
Tajan, Paris 21.12.2000, Los 61;
Privatsammlung, Europa, bei Vorgenannter erworben.

Beschreibung

Verso auf Keilrahmen und Künstlerrahmen handschriftlich bezeichnet sowie Letzterer mit Etikett der Künstlerbedarfshandlung Lucien Lefebvre-Foinet, Paris. „Horizon“ ist eine von insgesamt sieben Bühnenbild-Studien, die Max Ernst 1926 für die Romeó-et-Juliette-Inszenierung des Ballets Russes fertigt. Die ausgeführten, großformatigen Bühnenbilder sind nicht erhalten, dafür jedoch die Studien, die in die Sammlung von Serge Lifar kamen. Bekannt sind: La mer (in zwei Fassungen), Soleil, Horizon, La nuit, Le soleil und La mort de Juliette (vgl. Spies 994-1000). Bei dieser Auftragsarbeit, die Max Ernst gemeinsam mit Joan Miró ausführt, bleibt Ernst seinem künstlerischen Prinzip treu, das herkömmliche Maltechniken und eine traditionelle Ikonographie negiert. Stattdessen verwendet er seine neuen, erst im Sommer zuvor entwickelten Techniken der Frottage und Grattage. Die Frottage ist eine Durchreibetechnik, bei der natürliche Formen wie Holzmaserungen oder Blattstrukturen auf Papier übertragen werden. Ernst adaptiert in der Grattage dieses Verfahren für die Ölmalerei, indem er mit dünnen Farbschichten bemalte Leinwand auf eine strukturierte Oberfläche legt und die Farbe wegkratzt, um reiche Muster zu erhalten: Das Material des Malgrunds wird sichtbar und suggeriert völlig neue Formen. Die Bühnenbildszenen für „Romeó et Juliette“ sind frühe Zeugnisse dieser für Ernst so charakteristischen Technik. Sie zeigen stark abstrahierte phantastische Landschaften, die mit nur wenigen Formen, Linien und Farben Sonne, Wellen, Horizont, Tag und Nacht andeuten. Als Bühnenbilder stellen sie somit perfekte Szenerien dar, die dem avantgardistischen Ballett im Vordergrund den größtmöglichen Freiraum geben und weit davon entfernt sind traditionell oder beliebig zu wirken. Die Grattage bleibt jahrzehntelang ein integraler Bestandteil von Ernsts Schaffensprozess und dient ihm als kreative Technik, seine Angst vor dem leeren Papier oder der leeren Leinwand zu überwinden. Für die Gestaltung von Bühnenbildern wird Max Ernst noch zwei weitere Male engagiert: 1937 für das Drama Ubu enchainé von Alfred Jarry sowie 1968 für das Ballett Turangalila von Olivier Messiaen und Roland Petit. Serge Lifar, der 1926 die Hauptrolle des Romeo tanzt und aus dessen Sammlung die Studie „Horizon“ stammt, wird 1923 Tänzer in der von Serge Diaghilev 1909 gegründeten und geleiteten weltberühmten Ballettkompanie Ballets Russes. Gefördert von Diaghilev wird er zu einem der größten Tänzer und Choreographen des 20. Jahrhunderts. Diaghilev hat sich schon früh der Aufgabe gewidmet, die russischen Künste im westlichen Europa bekannt zu machen. Sein international tourendes Ensemble Ballets Russes wird wegweisend und stilbildend für die weltweite Entwicklung des modernen Balletts und bringt einige der bedeutendsten Choreographen und Tänzer hervor. Diaghilevs Leitprinzip „L’art pour l’art“ führt zu spektakulären und oftmals skandalösen Aufführungen. Die Kompanie entwickelt nicht nur eine neue Art des Tanzes, sondern ist in seiner Gesamtheit, von der Inszenierung über die Bühnen- und Kostümausstattung bis hin zur Musikauswahl äußerst experimentell und modern. Diaghilev arbeitet dafür mit namhaften Musikern wie Stravinsky und Debussy und bildenden Künstlern wie Jean Cocteau, Pablo Picasso und Georges Braque zusammen. Auch das 1926 entstandene, surrealistisch geprägte Ballett „Romeó et Juliette“ zählt zu den denkwürdigen Inszenierungen. Die Choreografie übernimmt Bronislava Nijinksa, die Musik stammt von dem erst 20-jährigen englischen Komponisten Constant Lambert. Diaghilev verwirft mehrfach die Entwürfe verschiedener Bühnenbildner, bis er auf einer Ausstellung in Paris Werke der surrealistischen Künstler Max Ernst und Joan Miró sieht und beide für die Bühnengestaltung engagiert. Die Surrealistengruppe um André Breton protestiert gegen diese Zusammenarbeit von Ernst und Miró mit dem in ihren Augen bürgerlichen und kapitalistischen Unternehmen des Balletts Russes. Sie stören den Eröffnungsabend im Théâtre Sarah-Bernhardt in Paris und werfen Flugblätter von den oberen Logen. Doch Diaghilev hatte damit gerechnet, er lebte von solchen Skandalen, die ihm nur umso mehr zeigten, dass er auf dem richtigen Weg war. Schlussendlich führt der große Erfolg dieser Zusammenarbeit sogar dazu, dass andere bedeutende surrealistische Künstler wie Salvador Dalí ähnliche Kooperationen eingehen.

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