Heinrich Bürkel

The Osteria of Ponale on Lake Garda

Details

Mit einer Fotoexpertise von Albrecht Krückl, München, vom 20.9.2020.

Provenienz:
Nagel, Stuttgart, 14.3.1992, Los 2699;
Privatbesitz, Süddeutschland.

Descrizione

Die Darstellung von bayerischen Wirtshäusern auf Almen, mit Jagdgesellschaften und Feierlichkeiten, diese Schilderung geselligen Beisammenseins, das auch schon mal in eine Rauferei ausarten kann, gehörte zu Bürkels gängigem Repertoire und zu seinen erfolgreichsten Motiven. In unzähligen Versionen hat er das Thema variiert und immer wieder neu erfunden – auch auf seinen zahlreichen Italienreisen hat er das gesellige Treiben vor römischen Osterien und Tavernen studiert und in zahlreichen, auch großformatigen Gemälden dokumentiert. Unser kleinformatiges Gemälde gehört diesem Motivkreis ebenfalls an, doch zeigt Bürkel keine römische sondern die direkt am westlichen Ufer des Gardasees gelegene Osteria in Ponale. Die dargestellte Örtlichkeit lässt sich mit Hilfe eines 1844 entstandenen, im Ausschnitt nahezu identischen Gemäldes seines Münchner Kollegen Carl Friedrich Heinzmanns lokalisieren, das auf der Rückseite die Bezeichnung „Osteria von Ponale am Gardasee“ trägt (Dorotheum, Wien, Auktion 23. Oktober 2014, Los 1179). Südlich von Riva del Garda an der Mündung des Ponale befand sich seit altersher ein alter Hafen, der ein wichtiger Umschlagplatz zwischen der Region Garda und dem westlich angrenzenden Ledrotal war. Auch Bürkels Gemälde dokumentiert das geschäftige Treiben von anlandenden Boote, die entladen werden und deren Waren auf Maultiere geladen werden, die den steilen, mühsamen Weg über die Berge antraten. Hunde und Hühner beleben die Szenerie anekdotisch, auf der eine Mutter mit ihrem Kind das Treiben beobachtet, während hinter ihr in einer Höhle letzte Handel abgeschlossen werden.
Das Gemälde ist farblich zweigeteilt: Links herrscht das fein abgestimmte Wechselspiel von Braun- und Grautönen der mächtigen Felsenwand, in die das Haus gleichsam eingezwängt wurde, während die rechte Seite den Blick über den See auf den tiefblauen, wolkigen Himmel freigibt. Es ist eine für Bürkel charakteristische Inszenierung von Enge und Weite; der Kontrast zwischen der schroffen, abweisenden Felswand und dem weiten Blick über den See mit den ansteigenden Gebirgshügeln im Hintergrund verleiht dem Gemälde räumliche Tiefe und zeigt einmal mehr Bürkels Geschick, Genre und Landschaft zu kombinieren. Peter Krückl datiert in seinem Gutachten das Gemälde zu Recht in die letzte Lebensphase des Malers; es dürfte erst um bzw. nach 1865 im Atelier auf der Grundlage früherer, vor Ort entstandener Zeichnungen entstanden sein – Bürkel hatte Italien mehrmals besucht und 1829 und 1835 führten ihn Reisen nach Oberitalien und auch an den Gardasee. Trotz der späten Entstehung trägt das Gemälde keinerlei Züge eines Alterswerks; kraftvoll, unverbraucht und frisch ist der Zugriff auf das Motiv aus. Eine gleichbleibend hohe malerische Qualität und exquisite Farbigkeit, in der rote „Farbinseln“ das Interesse des Betrachters wecken, machten Bürkels Erfolg beim Publikum bis ins hohe Alter aus. In seinen ab 1837 bis zu seinem Tod akribisch geführten Verkaufsaufzeichnungen, die sich heute im Stadtarchiv seiner Heimatstadt Pirmasens befinden, erscheint unser Gemälde nicht – ob es sich somit um ein eher privates, nicht für den Verkauf bestimmtes Gemälde handelte, muss einstweilen offen bleiben.