Details

Literatur:
Dominik Mario Klinger: Erotische Kunst in Europa 1500–1935, Supplementband 2b 1880–1935, Nürnberg 1984, Nr. 2165, Abb.
Richard Hüttel: Klingers erotisches Dilemma, in: Max Klinger. Erotische Einblicke – Sammlung Siegfried Unterberger und Museum der Bildenden Künste, Leipzig, Leipzig 2003, S. 42, Abb. 8.

Provenienz:
Nachlass des Künstlers;
Gertrude Klinger, geb. Bock (1893-1932), seit 1922 verheiratet mit Johannes Hartmann (1869-1952), Leipzig;
Nachlass Johannes Hartmann;
D. M. Klinger, Nürnberg, Auktion 1984, Los 2539;
Ketterer Kunst, München, Auktion 240, 20. November 1999, aus Los 304;
Privatbesitz, Süddeutschland.

Descrizione

MAX KLINGER – zu seinem 100. Todestag

Kurz vor seinem Tod am 5. Juli 1920 griff Klinger in diesen späten Zeugnissen seiner Zeichenkunst noch einmal seine Lebensthemen Liebe und Sexualität, Eros und Tod in unverblümter Deutlichkeit auf, nachdem er am 19. Oktober 1919 einen Schlaganfall erlitten hatte. Erotische Darstellungen findet man zwar in allen Lebensphasen Klingers, doch konzentrieren sie sich in zuvor nicht gekannter Drastik auf das letzte Lebensjahrzehnt zwischen 1910 und 1920. Nachdem Klinger die Schwestern Gertrud und Ella Bock kennengelernt und kurze Zeit später als Aktmodelle gewonnen hatte, fand Klinger zu einem für die Zeit gewagten, ja verbotenen Blick auf die Sexualität. Geschlechtsakt und weibliche Selbstbefriedigung, Cunnilingus und Fellatio bannte Klinger in zittrigem Duktus, dabei unverhüllter Direktheit auf seinen Zeichnungen, die aber im Verborgenen blieben, nicht für die Öffentlichkeit bestimmt waren. Sie blieben nach Klingers Tod im Besitz von Gertrud Bock, die der Maler im November 1919 nach seinem Schlaganfall noch geheiratet hatte, und ihrer Nachfahren, bis sie in den 1980er Jahren erstmals auf dem Kunstmarkt auftauchten. – Papier nachgedunkelt und mit aufgeklebten, alten Papierresten. Randmängel, verso an den Ecken auf den Untersatz montiert, ansonsten gut erhalten.