James Durno (zugeschrieben)

Priamus returning to Troy with the body of Hector – Hector’s fare

Details

Provenienz:
Joseph Clemens Prinz von Bayern (1902-1990), München; Privatbesitz, Süddeutschland.

Descrizione

Expert’s choice

Die beiden spätklassizistischen Gemälde waren zusammen mit zwei weiteren, heute verschollenen Gemälden (“Hektor im Kampf” und “Hektors Bestattung”) Bestandteil einer Folge, die von den Taten des griechischen Helden Hektor erzählt. Angeblich aus einem Schloss in Schwaben stammend, sind sie dort ihren Abmessungen nach als Supraporten in einer Raumausstattung vorstellbar.
Besonders die Rückkehr des Priamos mit dem toten Hektor erinnert in seinem Pathos und in der antikisch anmutenden Komposition an Werke des berühmten Engländers John Flaxman (1755-1826), der vor allem in seinen Graphikzyklen ähnliche Kompositionen ersann. Die offensichtliche Verbindung zu Flaxman hatte Joseph Clemens Prinz von Bayern, den damaligen Besitzer der Gemälde, veranlasst, hinter den beiden Gemälden einen englischen Maler zu vermuten – eine Annahme, die sich jetzt zumindest für Priamos’ Rückkehr bestätigen lässt.
Das Gemälde entspricht bis in die Details einer zweiten, größeren Fassung der Komposition, die von dem englischen Maler James Durno stammt. Er war zunächst Schüler von Andrea Casali (1700-1784) und Benjamin West (1738-1820) an der Royal Academy in London, bevor er 1774 nach Rom ging und dort bis zu seinem Tod 1795 blieb. In Rom kopierte er anfangs nach alten Meistern – am berühmtesten ist seine Kopie nach Raffaels Transfiguration, die 1783 Frederick Hervey (1730-1803), 4. Earl of Bristol, erwarb. Es blieb nicht das einzige Gemälde, das Hervey von Durno erwarb: 1787 gab er bei Durno zwei Historiengemälde mit “Priamos’ Rückkehr” und “Hektors Bestattung” in Auftrag – während die Bestattung Hektors verschollen ist, befindet sich die Rückkehr des Priamos heute im Kunsthandel in London (https://www.libson-yarker.com/pictures/priam-returning-to-troy-with-the-body-of-hector). Der Vergleich mit diesem Gemälde zeigt, dass es sich bei unserem Gemälde um eine kleinere Zweitfassung des Themas von Durno handelt.
Auch das zweite Gemälde mit Hektors Abschied, auf dem sich die Trennung vor ähnlich antikischer Kulisse vollzieht, dürfte von Durno stammen, auch wenn von ihm keine weitere Komposition mit diesem Thema bekannt ist.
Seit der Archäologe und Kunstkritiker Comte de Caylus (1692-1765) 1757 sein berühmtes Stichwerk zu Homers Illias gleichsam als Hilfestellung für Künstler bei der Auswahl antiker Themen zusammengestellt hatte, war die Beschäftigung mit dem Stoff in den Kunstzentren Europas üblich geworden. Gavin Hamiltons Illiasfolge, gemalt zwischen 1760 und 1775, fand durch die Kupferstiche Domenico Cunegos Verbreitung und Angelika Kauffmanns Gemälde mit Hektors Abschied von 1768 wurde besonders bekannt, da es ab 1772 als Schabkunstblatt von James Watson zirkulierte. In Deutschland erreichte die Beliebtheit des Themas im Jahr 1800 seinen Höhepunkt, als Hektors Abschied Thema der von Johann Wolfgang von Goethe und Heinrich Meyer initiierten Weimarer Preisaufgaben war. In diesem künstlerischen Umfeld der verstärkten Hinwendung zu griechischen Themen entstanden auch Durnos Gemälde.
Peter Prange