Details

Provenienz:
Privatbesitz, Süddeutschland.

Descrizione

In dem Gemälde waltet der Geist Raffaels. Die gleichmäßige Komposition, in der das Prinzip der Isokephalie herrscht und in der sich einzelne Personengruppen um die Verabschiedung Hagars versammelt haben, greift bewusst Gestaltungsprinzipien des großen Urbinaten auf, dessen Kunst um 1800 vor allem im Kreis der Nazarener eine Renaissance feierte. Das gesamte Figurenrepertoire mutet “raffaellinisch” an – etwa die drei Frauen rechts, die dem Geschehen beobachtend beiwohnen, und der quattrocenteske Jüngling zwischen den beiden Bärtigen genauso wie die halbnackten Jünglinge im Hintergrund links.
Der Maler, den wir nicht kennen, verbindet spätklassizistische, in den Gesichtern durchaus auch noch barock-akademische Züge mit der Kenntnis der nazarenischen Kunst. Während Michael Thimann auf die Schule bzw. den Umkreis des Peter von Cornelius (1783-1867) hingewiesen hat, haben Hinrich Sieveking und Norbert Suhr unabhängig voneinander auf den Koblenzer Peter Rittig (1789-1840) aufmerksam gemacht, der in Paris unter David klassizistisch ausgebildet wurde und sich in Rom den Nazarenern anschloss. Er verbindet tatsächlich beide Traditionen, doch sind von ihm zu wenige, vor allem frühe Werke bekannt, als dass seine Autorschaft für unser Gemälde zu sichern wäre. Allerdings hat sich Rittig mit dem Themenkreis beschäftigt, als er 1824 die “Ankunft Saras bei Tobias” malte (Nürnberg, Germanisches Nationalmuseum). Ohne die Autorschaft abschließend klären zu können, besticht das Gemälde durch seine außergewöhnlich hohe malerische Qualität – sowohl in der Landschaft als auch in den Figuren, was für die zur Landschaft strebenden Deutschrömer nicht immer selbstverständlich war.

Wir danken Prof. Dr. Michael Thimann, Göttingen, sowie Dr. Hinrich Sieveking, München, und Dr. Norbert Suhr, Eltville, für freundliche Hinweise zur Katalogisierung des Gemäldes.