Max Ernst

“éclaires précoces”

Details

Spies/Metken 888.

Literatur:
Ernst, Max, Histoire Naturelle, Galerie der Spiegel, Köln 1964, S. 83.

Ausstellung:
Max Ernst, Histoire Naturelle, Dessins inédits, Berggruen & Cie., Paris 1956;
Max Ernst, Wallraf-Richartz-Museum, Köln/Kunsthaus, Zürich 1962–1963;
Max Ernst: Frottagen, Collagen, Zeichnungen, Graphik, Bücher, Kunsthaus, Zürich 1978, Kat.-Nr. 89;
Max Ernst: Die Welt der Collage, Kunsthalle, Tübingen/Kunstmuseum, Bern/Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf/Kunsthalle, Hamburg 1989, Kat.-Nr. 118.

Provenienz:
Edouard Loeb (Zwillingsbruder des Galeristen Pierre Loeb), Paris (noch 1962);
Privatsammlung, Paris (noch 1975);
Sammlung Ernst O. E. Fischer, Krefeld;
durch Erbfolge an den jetzigen Besitzer, Privatbesitz, Nordrhein-Westfalen.

Descrizione

Die vorliegende Arbeit entsteht im Jahr 1925, in dem Ernst, 34-jährig, zum ersten Mal ein Atelier in Montmartre mietet. Er verbringt die Ferien am Meer in der Bretagne. Beim Anblick eines hölzernen Fußbodens kommt ihm eine Erleuchtung: Er erfindet die Frottage-Technik. Ab 1925 entstehen über 130 Zeichnungen in dieser Technik. Max Ernst liebt das Kantige, Scharfe, Schrundige. Als untergelegte Materialien verwendet er daher Drahtgitter, genarbtes Leder, Holzstücke, Leinwände, aber auch Blätter. Diese Objekte verlieren durch das Verfahren des Durchreibens weitgehend ihre Identität. Ernst überzeichnet und erweitert diese Unterlage. Es entstehen neue Interpretationen, die sich aus der Zufälligkeit des Durchdrucks ergeben. Ernst schafft eine Traumwelt, denn die bestehenden Gegenstände der realen Welt befriedigen ihn nicht. Während er in seinen Collagen Darstellungen neu zusammenfügt, setzt er in seinen Bildtiteln Wörter zusammen, die normalerweise nicht zueinander gehören. So vereint er in der vorliegenden Frottage die Wörter Blitze (éclaires) und frühreif (précoce) zu frühreifen Blitzen und zeigt dabei insektenähnliches Getier, vom Titel völlig losgelöst. Ernst bevorzugt Wesen, die uns fremd und fast unheimlich sind: Vögel und Insekten erscheinen immer wieder in seinen Arbeiten. Dabei versetzt er diese Fauna in einen Zustand, in dem sie weder lebendig noch tot ist, sondern genau zwischen Leben und Tod verfestigt wird. Auch hier scheinen diese Insekten wie in einem Bernstein der Urzeit gefangen. – Unterlage aus einem Heft, daher am linken Rand mit kleinen Kerben der alten Heftung. Mit doppeltem Lichtrand und etwas gebräunt, winzige Stockfleckchen, am oberen Rand etwas wellig, sonst sehr schön.