Johann Anton Ramboux (zugeschrieben)

Saint Urban as the Winemaker’s Patron (?)

Descrizione

Es ist ein heiter-geschäftiges Treiben, von dem der Zeichner erzählt: Es ist die Zeit der Weinernte; von einem hölzernen, weinumrankten Baldachin schneiden Arbeiter auf Leitern Trauben ab, die sie in Körben sammeln, um sie Helferinnen zu reichen. Sie bringen die Körbe zur Kelter, in der ein Arbeiter die Maische mit den Füßen stampft, eine weitere Frau befüllt sie gerade. Im Zentrum dieses arbeitsamen Geschehens steht, dem Betrachter frontal zugewendet, ein älterer Heiliger in altrömischer Tracht, begleitet von zwei kleinen Kindern. Es dürfte sich dabei um den hl. Urban I. handeln, 222-230 Bischof von Rom, dem die Funktion als Schutzpatron der Winzer aufgrund einer Verwechslung mit dem hl. Urban von Langres zuteilwurde.
Doch wer ist der Zeichner dieses fein ausgeführten, auch ikonographisch reizvollen Blattes? Es ist keine Frage, dass der Zeichner im unmittelbaren Umfeld der Nazarener zu suchen ist. Es ist bei aller Heiterkeit eine sorgsam ausgearbeitete Komposition vor dem Hintergrund einer südlich anmutenden Landschaft; der Zeichner vermeidet dabei ganz bewusst Überschneidungen der Figuren, die teilweise von etwas gedrungenen Proportionen sind; er erzählt anekdotisch, wenn der Hund die beiden kleinen Kinder ankläfft, und er verarbeitet Anregungen der um 1820 führenden Zeichner, vor allem von Franz Horny und Julius Schnorr von Carolsfeld. Solche Einflüsse findet man wiederholt in den Zeichnungen des Trierers Johann Anton Ramboux, der 1816, nach einer Ausbildung in Paris u. a. bei Jacques-Louis David, nach Rom gekommen war, wo er sich dem Kreis der Nazarener anschloss. Das neuentdeckte Blatt bedeutet eine wesentliche Bereicherung seines zeichnerischen Werks. – Sehr gut erhalten.

Wir danken Prof. Dr. Wolfgang Augustyn, München, und Dr. Norbert Suhr, Eltville, für Hinweise zur Katalogisierung; Prof. Dr. Michael Thimann, Göttingen, für Hinweise zur Zuschreibung.