Details

Ausstellung:
Fin de Siècle in Basel. Hans Sandreuter 1850–1901, Ausst.-Kat. Kunstmuseum Basel, bearbeitet von Bernd Lindemann, Basel 2001, S. 54, Nr. 33.

Provenienz:
Nachlass Hans Sandreuter, Basel;
Privatbesitz, Schweiz.

Descrizione

Hans Sandreuter – Fin de Siècle in Basel

Von der Ausbildung her Lithograph, wurde Hans Sandreuter im Oktober 1870 in die Münchner Akademie aufgenommen. Im Frühjahr 1871 ging er nach München, doch dachte er gar nicht daran, Studien an der Kunsthochschule zu betreiben, sondern zog gleich weiter nach Italien. Immerhin besuchte er in München die Pinakotheken und die Schackgalerie, wo er Werke des bereits in Basel von ihm verehrten Arnold Böcklin sah. Erst 1873 ,nach seiner Rückkehr aus Italien und einem kurzen Aufenthalt in seiner Heimatstadt Basel, kehrte er nach München zurück, um seine Studien an der Akademie aufzunehmen. Hier entstehen erste Gemälde, die seine Verbundenheit mit der Dachauer Schule und dem Kreis Wilhelm Leibls bezeugen, doch bereits 1875 reiste Sandreuter Böcklin nach, der im Herbst 1874 in die toskanische Metropole Florenz übersiedelt war. Dort schließt sich Sandreuter Böcklin eng an, und beginnt sich erst nach seiner endgültigen Rückkehr nach Basel 1884 von seinem großen Vorbild zu emanzipieren. In den wenigen Jahren bis zu seinem Tod avancierte er zum bedeutendsten Künstler des Fin de Siècle der Stadt. Die Hinwendung zum Neuen markiert erstmals jenes 1891 vollendete kleine Querformat, das unter dem seltsamen Titel “Die Markensammler” bekannt ist (Los 113): Es zeigt die Köpfe dreier eng beieinander stehender Knaben, die ganz knapp als Brustbilder erfasst sind; dabei in die Lektüre eines Buches vertieft und ihre Umgebung nicht wahrnehmend. Sie scheinen gemeinsam zu lesen, doch was – lesen sie in einer Abenteuergeschichte oder handelt es sich um Chorknaben beim Studium der Partitur? Hat nicht der Junge links den Mund leicht geöffnet? Tatsächlich studieren sie das “Basler Dybli”, eine Druckschrift, die den Philatelisten über den Wert von Briefmarken unterrichtete; der Titel geht zurück auf jene berühmte, 1845 von der Basler Stadtpost herausgegebene Briefmarke, die als “Basler Dybli” (= Taube) bekannt ist.
Wiewohl nur selten als Porträtist tätig, hat Sandreuter das eigene Ich wiederholt befragt. Besonders eindrücklich geschieht dies in dem Selbstbildnis aus dem Jahre 1890 (Los 112), das auch Ausdruck einer sich für den Künstler verbesserten materiellen Lage ist. Der Künstler präsentiert sich im Gesellschaftsanzug, ohne jeden Hinweis auf seine künstlerische Tätigkeit, allein die Landschaft im Hintergrund verweist auf die Gattung, in der sich um 1890 für Sandreuter erste Erfolge abzeichneten. Selbstbewusst präsentiert er sich im alten, seit der Renaissance gängigen Typus des Brustbildes vor einer Anhöhe, die in sattem Grün nur angedeutet, malerisch wie der Himmel darüber nicht ausgeführt wird, während die Büste statuarischen Ernst ausstrahlt. Tatsächlich macht die Ernsthaftigkeit des Bildnisses vor der offenen, auch sich öffnenden Landschaft den großen Reiz des Gemäldes aus.