Rembrandt Harmensz. van Rijn

Christus lehrend (La petite tombe)

Details

Bartsch 67; White/Boon 67 I (von II); Hinterding/Rutgers (The New Hollstein) 298 I (von II).

Descrizione

Ausgezeichneter, tiefschwarzer Frühdruck mit Gratwirkung an den mit der Kaltnadel überarbeiteten Partien (Black Sleeve impression) auf dünnem Chinapapier wie das Exemplar der Fondation Custodia (Collection Frits Lugt) in Paris (s. Hinterding, S. 269, rechte Spalte). Rembrandt verwendete China- und Japanpapiere nur für besonders wertvolle Drucke. Kleine Lieferungen dieser Papiere aus den asiatischen Ländern sind ab 1643 belegt, von Mitte der 1640er Jahre an experimentierte Rembrandt für seine Früh- und Probedrucke gerne mit diesen sehr teuren Papieren. Breitrandiges Exemplar.
Eines der Hauptblätter Rembrandts, das schon zu Lebzeiten sehr gesucht war. Der Vorgang ist schlicht und überzeugend geschildert. Rembrandt konzentriert sich auf die zentrale Gruppe um Christus und die Predigt. Ruhig und nachdenklich hören die Menschen Christus auf einem Podest zu. Jeder der Zuhörenden ist in seiner Kleidung, Haltung und Miene individuell charakterisiert. Ihre Aufmerksamkeit wird durch das unaufmerksame Kind im Vordergrund noch betont, das gedankenverloren in den Sand zeichnet. Die Komposition mit der bildparallel angelegten Architekturkulisse und den ausgewogen verteilten Figuren ist beeinflusst von Raffaels Fresko “Die Schule von Athen” in den Stanzen des Vatikans. Zu dieser Zeit setzte Rembrandt sich intensiv mit der Kunst der italienischen Renaissance auseinander, vermittelt über die Druckgraphik.
Der Titel “La petite tombe” beruht auf einer falschen Übersetzung des 18. Jhs.: Das Blatt wurde 1679 bei dem Verleger Clemens de Jonghe “La tombisch plaatjens” genannt (nach der Besitzer-Familie La Tombe), was später zu dem Titel “La petite Tombe” führte.
Verso mit winzigem Braunfleckchen am Oberrand, ansonsten in sehr gutem Zusatnd. In so schöner Gesamtqualität von großer Seltenheit.