Auktion 277 || 31.05.2017

Katharina Grosse
Ohne Titel

Spätestens seit ihrer Teilnahme an der Biennale 2015 und der großen Retrospektive im Frieder Burda Museum in Baden-Baden Anfang letzten Jahres, ist Katharina Grosse der internationalen Kunstwelt ein Begriff. In Venedig hatte die Künstlerin einen gesamten Raum des Arsenale in ein skulpturales Environment verwandelt: Schuttberge, Leinwandsegel und in Styropor geschnittene Skulpturen wurden großflächig mit Farbe besprüht und Teil eines unwirklich erscheinenden, polychromen Farbraumes.

„In der Nachkriegszeit bis 1956 oder 1957 ist vieles da, was für meine Arbeit Relevanz hat, wie das All-over und der Prozess als Grundlage für ein offenes Bildsystem.“

Katharina Grosse

Seit 1980 arbeitet die Schülerin von Gotthard Graubner, die unterdessen selbst Professorin an der Akademie in Düsseldorf ist, nicht mehr mit dem Pinsel, sondern mit einer Kompressor-betriebenen Spritzpistole. Sie lotet Möglichkeiten der abstrakten Malerei aus, indem sie sich über Begrenzungen in Format und Medium bewusst hinwegsetzt. Die Arbeit „o.T.“ von 2004 stellt ein herausragendes frühes Beispiel für diese Vorgehensweise, sowie die Nähe zum amerikanischen Color Field Painting dar: auf der großformatigen Leinwand überlagern sich Farbschichten, die in- und übereinander laufen und sich zu einem dynamischen Farbfeld verbinden. Nichts an diesem Werk ist statisch, die Künstlerin lässt den Betrachter am Schaffensprozess teilhaben. Dabei setzt sich – typisch für die Handschrift von Katharina Grosse – das all-over über die Seitenkanten der Leinwand hinweg, was der Arbeit zusätzlich eine skulpturale Dimension verleiht.
Katharina Grosse beschreibt ihr künstlerisches Vorgehen folgendermaßen:
„Es gibt verschiedene Gefühlslagen, die bei mir eine große Rolle spielen: Wut oder Ärger über gesellschaftliche Strukturen, in denen ich mich nicht wohl fühle und gegen die ich mich zur Wehr setze. Vielleicht ist deswegen eine gewisse Aggressivität auch ein Teil der Arbeit. Wobei ich diese Aggressivität lenken kann, in die Kanäle von Farbe oder Struktur, und sie deshalb nicht wie eine Kugel auf ein Ziel gerichtet ist. Ich glaube, dass deshalb meine Arbeiten so exponiert wirken.“

Katharina Grosse
1961 Freiburg im Breisgau
Ohne Titel

Acryl auf Leinwand. 2004. Ca. 280 x 100 cm. Das Werk ist im Archiv des Ateliers Katharina Grosse, Berlin, unter der Nummer KG/M 2004_1015M registriert. Mit einem schriftlichen Fotozertifikat der Künstlerin vom 12.Dez 2010.

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