Auktion 290 || 06.06.2019

Victor Vasarely
„Meride +“

Die Galerie Denise René in Paris, von der die Arbeit „Meride+“ ursprünglich stammt, war über Jahrzehnte Victor Vasarelys wichtigste Galerie. 1955 war dort unter dem Titel „Mouvement“ eine Ausstellung zu sehen, an der Künstler wie Yacoov Agam, Alexander Calder, Jesus Rafael Soto, Jean Tinguely und eben auch Vasarely beteiligt waren. Alles Künstler die sich, wenn auch auf ganz unterschiedliche Weise, mit kinetischer Abstraktion befassten. Die zentrale Frage war damals, wie es gelingen könnte, Bewegung in die Kunst zu integrieren. Vasarely setzt an Stelle der tatsächlichen, durch mechanische Mittel zustande kommende Bewegung, wie sie bei Tinguely oder Calder zu finden ist, eine, die durch die Täuschung des Auges nur suggeriert wird. Diese Bewegungssuggestion bleibt letztendlich immer von der Bewegung des Betrachters abhängig. In den 1950er und frühen 1960er Jahren findet häufig eine bewusste Reduktion auf Schwarz/Weiß als besonders wirksames Mittel für einen kontrastierenden Bildaufbau statt. Sie resultiert unter anderem aus Vasarelys Leidenschaft für Photogramme, in denen er Gegenstände bzw. Strukturen direkt auf lichtempfindliche Platten legt. Diese geben dann nach der Entwicklung den Umriß dieser Struktur als Positiv/Negativ oder als Überlagerung wieder. Wie in „Meride+“ wird der Schwarz/Weiß Kontrast in den frühen multidimensionalen Strukturen immer auch um das Vexierspiel von Fläche zu Raum und Fülle zu Leere ergänzt. Die Mobilität des Sehens wird vorausgesetzt und ermöglicht dafür eine unbegrenzte Zahl an Seherlebnissen.

Victor Vasarely
1906 Pécs/Ungarn - Paris 1997
„Meride +“

Acryl auf Malpappe, fest auf Holz montiert. 1960-63. Ca. 50 x 48 cm (Gesamtmaß). Signiert unten mittig. Verso signiert, datiert, betitelt und mit Werknummer „1302“.