Auktion 295 || 16.06.20

Adolph Menzel
Bildnis des Malers Paul Meyerheim | Ergebnis: € 37.500*

Was wir über den privaten Adolph Menzel wissen, stammt von Paul Friedrich Meyerheim, Selbst Maler, hatte er kurz nach Menzels Tod 1906 seine Erinnerungen an Menzel veröffentlicht. Der 1842 geborene Paul war der Sohn von Eduard Meyerheim, dem angesehenen Berliner Genremaler, mit dem Menzel seit 1834 eine Freundschaft verband und in künstlerischem Austausch stand. Meyerheim malte gegen 1840 Menzels Porträt, dieser wiederum porträtierte 1847 Meyerheims Frau Karoline, die Schwester des mit Menzel befreundeten Bildhauers Friedrich Drake. Auch mit Paul entwickelte sich über die Jahre ein vielfacher Austausch, sowohl künstlerisch als auch privat. So verband beide das Interesse an Tier- und Zoomotiven, und als zu Beginn der 1870er Jahre Menzels berühmtes Eisenwalzwerk entstand, arbeitete Meyerheim an einem Zyklus zur „Geschichte einer Lokomotive“ für die Industriellenfamilie Borsig. Über Menzels Besuch der Weltausstellung in Paris 1867, wo sich Meyerheim bereits aufhielt und Menzels Aufenthalt vorbereitet hatte, berichtet Paul besonders ausführlich. Sie durchstreiften die Stadt „bis zur äußersten Erschlaffung“ und was über Menzels Begegnungen mit Meissonier und Courbet bekannt ist, wissen wir aus Meyerheims Büchlein. Aus dem folgenden Jahr, in dem Menzel, diesmal ohne Meyerheim, Paris wieder besuchte, stammt unser kleines Bildnis des Freundes. Es zeigt Meyerheim nachdenklich mit markantem Profil nach rechts gewendet; das Bildnis ins Oval eingefügt und in dunklen Farben gehalten – „das einzige Zugeständnis an ein Eigenleben der Farbe findet sich in der geistvollen Behandlung der gemusterten Krawatte“ (Claude Keisch). Man meint, von Ferne Anklänge an ähnliche Bildnisse Courbets bzw. französischer Zeitgenossen zu erahnen. Ob das Gemälde im Besitz des Porträtierten war, ist ungewiss. 1905 auf der großen Gedächtnis-Ausstellung, für die Meyerheim Leihgeber war, taucht es nicht auf und auch im Nachlass Meyerheims, der 1916 und 1919 bei Rudolph Lepke in Berlin versteigert wurde, ist es nicht aufgeführt – erst 1930 taucht es in der Sammlung Abraham Adelsbergers wieder auf. Mit einem Gutachten von Marie Ursula Riemann-Reyher, Berlin, vom 11. Dezember 1996 (in Kopie).

Adolph Menzel
1815 Breslau – Berlin 1905
Bildnis des Malers Paul Meyerheim | Ergebnis: € 37.500*

Öl auf Papier, auf Leinwand aufgezogen. (18)68. 24,3 x 19,5 cm (im Oval). Signiert und datiert unten links.

Das Gemälde wurde in ausdrücklichem Einvernehmen mit den Erben nach Abraham Adelsberger und Alfred Isay angeboten.

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