Details

Mit einer Fotoexpertise der Andy Warhol Foundation for the Visual Arts vom 7.2.2014 und einer Fotoexpertise über die Provenienz von Christie’s.

Provenienz:
Estate of Andy Warhol;
Andy Warhol Foundation for the Visual Arts.

Description

Mit wachen, aufmerksamen Augen, offen blickend tritt uns der Porträtierte entgegen. Er ist förmlich gekleidet und wirkt trotzdem lässig und entspannt. Andy Warhol setzt helle und dunkle Farbflächen kontrastreich und in klaren Linien voneinander ab, die dunklen Augen und Haare werden in ihrer Wirkung durch ein ungewöhnlich helles und zartes Blau im Hintergrund verstärkt.
In den frühen 1960er Jahren begann Andy Warhol, meist nach Vorlagen aus Magazinen und Zeitungen, Berühmtheiten zu porträtieren. Mit dem Rückgriff auf Massenmedien, der Entwicklung seines eigenen flächig-plakativen Malstils und einer Farbästhetik, die der bunten Welt der Werbung entspringt, setzte Andy Warhol das Porträt wieder auf die Agenda der Malerei. Im November 1979 zeigte das Whitney Museum in New York die Ausstellung “Portraits of the 70s”. Dies war der endgültige Durchbruch, Warhol war der begehrteste Porträtmaler seiner Zeit und kaum eine Person von öffentlichem Interesse wurde nicht von ihm gemalt. Die Anfragen kamen aus aller Welt. So kam es, dass der Münchner Galerist Hartmut Stöcker 1980 von Warhol porträtiert wurde.
Erzählen die frühen Porträts die Geschichte des “American dream” und seiner tragischen Protagonisten wie Marilyn Monroe, James Dean oder Jackie Kennedy, werden die späteren Porträts persönlicher und erzählen von Warhols eigenen biographischen Verflechtungen.
Der Weg zu Stöcker führte über die Bekanntschaft mit Gunter Sachs, der Warhol 1972 die erste Einzelausstellung in seiner Hamburger Galerie in der Milchstraße widmete. Sachs machte die beiden miteinander bekannt. Hartmut Stöcker war ebenfalls Galerist. Ingvild Goetz hatte 1969 die Galerie “Art in Progress” in Konstanz gegründet und nach einer weiteren Station in Zürich eröffneten die beiden 1973 Räume in der Maximilianstraße in München.
Mit Künstlern wie Jannis Kounellis, Hanne Darboven und Cy Twombly war der Name der Galerie Programm. Bereits 1972 begannen die Galeristen mit Christo und Jeanne Claude zu arbeiten und begleiteten die ersten Schritte des Künstlerpaars auf dem Kunstmarkt. In diesem Kontext entstand in München eine der ersten Verhüllungen von Christo, als sie 1978 die Galerie in der Maximilianstraße verpackten. Neben seiner Tätigkeit als Galerist engagierte sich Stöcker als Gründungsmitglied des Bundesverbands Deutscher Galerien.
In der Gruppe der von Andy Warhol porträtierten Galeristen findet er sich neben namhaften Vertretern wie Leo Castelli oder Bruno Bischofberger.
Nach der Trennung von Ingvild Goetz verließ Hartmut Stöcker die Galerieszene und “Art in Progress” wurde von Ingvild Goetz bis 1984 weitergeführt. Ihr Interesse galt zunehmend dem Aufbau der eigenen Sammlung und so endete die Tätigkeit als Galeristin.
Wir danken Katharina Vossenkuhl, Sammlung Goetz, für die freundliche Auskunft bei der Katalogisierung des Werkes.