Johann Jacob Frey

Sunset over a rocky southern coastline

Details

Ausstellung:
Maltzahn Gallery, A collection of drawings and paintings by Johann Jacob Frey, 1813 – 1865, London, 1974.

Provenienz:
Maltzahn Gallery, London;
Privatbesitz, Schweiz.

Description

Als der gebürtige Basler Johann Jacob Frey über den Umweg Paris und München Mitte der 1830er Jahre in Rom eintraf, lebten dort noch die Altmeister klassizistischer Landschaftskunst Joseph Anton Koch und Johann Christian Reinhart. Jüngere Kräfte wie Heinrich Reinhold waren bereits verstorben oder hatten wie Carl Blechen, Carl Rottmann, Johann Heinrich Schilbach oder Jean-Baptiste Camille Corot die ewige Stadt bereits wieder verlassen, doch hatten sie Spuren in der Landschaft hinterlassen. Sie hatten die Freilichtmalerei in der Landschaftskunst etabliert, hatten mit ihrer Beobachtungsgabe einer realistischen Auffassung den Weg geebnet und ihre bildliche Interaktion von Licht, Atmosphäre und Landschaft hatte der Landschaftskunst neue Möglichkeiten erschlossen, die auch auf Frey Eindruck machten. In München hatte er bereits die Kunst Johann Georg von Dillis‘ und Rottmanns kennengelernt, die die plein-air-Malerei propagierten, und Frey ist ihnen – wie man erst seit wenigen Jahrzehnten weiß – darin gefolgt, als er nicht die Landschaft als solche malte, sondern ihre einzelnen Elemente: Bäume, Sträucher, Felsen und Bäche. Seine kleinen Naturstücke mit Studien der südlichen Flora sind erfüllt von der Macht des Lichts und den Farben des Südens.
Von der besonderen Faszination für das Licht und die Farbe des Südens ist auch unser Gemälde durchdrungen, das den Blick auf den Monte Tiberio auf Capri zeigt. Nun allerdings nicht im Sinne seiner Naturstücke, sondern noch durchaus romantisch überhöht. Es ist gleichsam ein nostalgischer Blick zurück auf ein romantisches “Setting”, in dem zwei Frauen, die vielleicht nicht zufällig wie Mönche anmuten, farblich von dem erdigen Braun der Felsenklippe, auf der sie verweilen, vereinnahmt werden. Die eine wohl lesend, die andere entspannt stehend, bricht sich das letzte Licht der Sonne auf ihnen, bevor sie hinter dem Monte Tiberio untergeht. Motivisch von einer ähnlichen Sehnsucht erfüllt wie Werke von Franz Ludwig Catel, der in vergleichbarer Weise den sinnenden Mönch thematisierte, sind es vor allem Rottmanns atmosphärisch aufgeladene Landschaften, an die Frey anschloss. Der Einfluss der “Scuola di Posilippo”, jener Gruppe von Freilichtmalern um den Niederländer Anton Sminck van Pitloo, scheint sich In der kräftigen Farbgebung und der Verwendung von unvermischten Farben bemerkbar zu machen, die Frey zu einer effektvollen, fast unwirklich anmutenden Fantasie steigert.
Im April 1839 Frey nach Neapel und Süditalien gereist, wo er insgesamt zwei Jahre verbrachte. Er besuchte die Küste Amalfis, reiste nach Sizilien und ließ sich auch nach Capri übersetzen. An all diesen Orten entstanden zahlreiche Studienzeichnungen und Ölskizzen, die Frey nach seiner Rückkehr nach Rom zu großformatigen Gemälden ausarbeitete. Auch wenn über die Chronologie von Freys malerischem Werk keine abschließende Vorstellung besteht, dürfte unser Gemälde zu denjenigen gehören, die auf der Grundlage von Reisestudien in Rom entstanden sind.