Otto Dix

Schniewind double-portrait, second version

Details

Löffler 1956/3.
Das Werk wird in das in Vorbereitung befindliche Werkverzeichnis der Gemälde von Professor Dr. Rainer Beck, Coswig, aufgenommen.

Ausstellung:
Der expressionistische Impuls. Meisterwerke aus Wuppertals großen Privatsammlungen, Von der Heydt-Museum, Wuppertal 2008, S.147 ff. mit Abb.

Provenienz:
Sammlung Fänn und Willy Schniewind, Velbert-Neviges;
Privatbesitz, Nordrhein-Westfalen, durch Erbfolge an den jetzigen Besitzer.

Description

Wilhelm “Willy” Schniewind (1890–1978) wird als Sohn des Textilfabrikanten Friedrich Wilhelm Schniewind geboren und führt die H. E. Schniewind Seidenwebereien in Haan, bis diese 1974 geschlossen werden. Zudem war er Mitglied verschiedener Aufsichtsräte und Präsident des deutschen und europäischen Golfverbands. In zweiter Ehe heiratet er 1929 die kunstbegeisterte Franziska Katharina Stefanie Henkell (1898–1980), genannt “Fänn”, Tochter des Sektfabrikanten Otto Henkell.
Fänn Schniewind, die schon in frühen Jahren den Kontakt zu Künstlern wie z.B. Max Beckmann, der sie 1928 porträtiert, pflegt und eine hochkarätige Sammlung moderner und zeitgenössischer Kunst u.a. von Ernst Ludwig Kirchner, Alexej von Jawlensky, Erich Heckel zusammenträgt, wird in den 1960er Jahren von Konrad Klapheck die “Grand Old Lady unter den Sammlern Westdeutschlands” genannt. Aufgrund der intensiven Kontakte des Ehepaars entsteht auch die 2. Fassung des hier vorliegenden Porträts. Dix wurde mehrfach mit Porträts beauftragt. Die Ganzkörperansicht ist in seinem Œuvre eher selten zu finden. Die erste Version des vorliegenden Werks ist laut Löffler (1952/14) wohl zwischen 1954 und 1956 einem Brand auf dem Familiensitz “Hof Zur Mühlen” zum Opfer gefallen. Auch von z.B. Bernhard Heiliger, Georg Meistermann und Arman lässt sich das Paar porträtieren.

Otto Dix gibt hier die Sammler Willy und Fänn Schniewind in feiner Robe mit Hut und Melone in frontaler Granzkörperansicht mit ihrem Hund, einem Cockerspaniel, zu Füßen wieder. Im Hintergrund rechts ist ein abstraktes Gemälde angedeutet und das Paar steht auf einem mit rechteckigen Fliesen gestalteten Fußboden. Das Werk steht beispielhaft für diese Sammlung, die heute leider nicht mehr existiert.
Die Eindrücke dieser ein Leben lang leidenschaftlich zusammengetragenen Sammlung beschreibt Günter Aust: “(…) es prägt sich ein, dass die Sammler Kunstwerke mit individuellem Ausdruck und mit einer Beziehung zum zeitgenössischen Leben bevorzugt haben; mehr formalistisch bestimmte Lösungen treten hier sehr zurück.”

Fänn Schniewind kaufte mit ihrem Mann nicht nur Arbeiten berühmter Künstler, sondern ergänzte ihre Sammlung auch mit Werken weniger bekannter Vertreter und hängte diese gleichwertig auf. Ihr ging es allein um die Leidenschaft für die Kunst und den Kontakt mit den verschiedensten Persönlichkeiten. Die Galeristin Monika Schmela beschreibt Fänn Schniewind rückblickend: “(…) ob in Strickweste mit Loch oder alten Schuhen oder in Pelz und kostbarem Schmuck, war [sie] ein Vorbild an Menschlichkeit; manchmal wenn die Schwierigkeiten der Galerie mich niederdrückten, erinnerte mich [mein Mann] Alfred an die Haltung dieser großartigen Frau.” (Ausst.-Kat. Wuppertal 2008).