Felix Nussbaum

Tanz an der Mauer (Sargträger).

Details

Junk/Zimmer 135.
Ausstellung:
“Felix Nussbaum. Ausstellung neuer Arbeiten, Gemälde / Zeichnungen”, Moderne Galerie Wertheim, Berlin, 1930, Nr. 11; “Felix Nussbaum 1904 – 1943, Gemälde aus dem Nachlass”, Kulturgeschichtliches Museum Osnabrück, Ausstellung in der Dominikanerkirche, 1971, Nr. 66; “Felix Nussbaum”, Rathaus Berlin-Neukölln, 1972; “Felix Nussbaum”, Gustav-Lübke-Museum Hamm, 1973; “Felix Nussbaum. Gemälde, Zeichnungen und Dokumente”, Wilhelm Lehmbruck Museum, Duisburg;
Berlinische Galerie, Berlin 1988-1989, S. 119 mit Abb S. 34; “Felix Nussbaum. Verfemte Kunst – Exilkunst – Widerstandskunst. Die 100 wichtigsten Werke”, Kulturgeschichtliches Museum Osnabrück, 1990, S. 104-108, mit Abb. S. 105.
Provenienz:
Aus dem Nachlass der Avenue Brugman 255 (den Mitte 1942 bei Dr. Grosfils deponierten Gemälden); Nachlass Felix Nussbaum; Galerie Michael Hasenclever, München; Privatsammlung, Israel; Villa Grisebach, Auktion 84, Berlin 24.11.2000, Los 51 mit Abb.; Sammlung Marvin und Janet Fishman, Milwaukee, USA.

Description

Wie kaum einem anderen Künstler seiner Zeit gelang es Nussbaum, die bevorstehende Katastrophe, in die Deutschland durch den Nationalsozialismus gestürzt wurde, in seinen bewegenden, packenden Bildern zu erahnen und festzuhalten. Nussbaums Kunstwerke beeindrucken oft durch seine Auseinandersetzungen mit Werken von van Gogh oder Henri Rousseau, die ihn zu überragenden und irritierenden Motiven führten. Das vorliegende Gemälde entstand in dem Jahr, in dem Nussbaum gerade erst sein Kunststudium in Berlin beendete, aber bereits viele künstlerische Erfolge feierte. Trotz der Wunden, die der Erste Weltkrieg in der Gesellschaft hinterließ und die von vielen Künstlern thematisch aufgegriffen wurden, lässt Nussbaum in diesem Gemälde einerseits mit einer brutalen Direktheit durch die Darstellung von durch Ratten angefressenen, an einer Mauer liegenden menschlichen Skeletten und hinter der Mauer hochragenden Galgen, andererseits mit einer fast ironisch-provozierenden Symbolik durch die Darstellung von im Gleichschritt tanzenden, schwarzbekleideten Skeletten, die einen Sarg auf den Schultern tragen, die gesellschaftspolitischen Tendenzen der kommenden Jahre auf eindruckvolle Weise erahnen. Dieses außerordentliche “Memento mori” steht im Zusammenhang mit dem ebenfalls um 1930 entstandenen, unsignierten und undatierten Gemälde “Galgenbild” (Begräbnis), in dem viele ähnliche Bildmotive auftauchen. Nussbaum wiederholte immer wieder gleiche Bildmotive: während die Mauer in vielen seiner Bilder in unterschiedlichsten Zusammenhängen gezeigt wurde, wird das Motiv der Sargträger z.B. in seinem Gemälde “Die Verdammten” wieder genutzt, das Nussbaum zwischen 1943 und 1944 malte, als er sich zusammen mit seiner Frau in Brüssel vor den Nationalsozialisten versteckte. – Leinwand doubliert. Craquelé mit kleinen, retuschierten Farbausbrüchen.