Otto Dix

“Tanzsaal in St. Pauli”.

Details

Pfäffle A 1925/30 (ohne Abb.).
Ausstellung:
Berlin, Katalog der 48. Jahresausstellung der Berliner Secession, Frühjahrs-Ausstellung 1925, Pastell – Aquarell – Plastik, Nr. 67.
Provenienz:
Galerie Nierendorf, Berlin, dort 1961 erworben, seitdem Privatsammlung, Berlin/Linz.

Description

Das Blatt mit der Dix-Nr. 338 ist nach der hypothetischen Chronologie um 1924/25 entstanden. Ab 1922, während Dix’ Düsseldorfer Zeit, verlieren seine Werke an politischem Ausdruck. Auch die Eindrücke des Ersten Weltkriegs werden schwächer. Jetzt entstehen Aquarelle mit erotischen, oft gewalttätigen Motiven. Unterstützt von der Galerie Nierendorf zieht Dix 1925 mit seiner Familie von Düsseldorf nach Berlin, um so aktiver an der Kunstszene in der Hauptstadt teilhaben zu können. In Düsseldorf hatte sich Dix einen Namen geschaffen, in Berlin hingegen muss er sich erneut in den Künstlerverbänden beweisen. Er entscheidet sich, gerade dieses Aquarell im Frühjahr bei der etablierten Berliner Secession auszustellen.
In dieser Arbeit zeigt Dix einen Tanzsaal im Hamburger Vergnügungsviertel St. Pauli. Die Tanzfläche wird von einem bunten Publikum bevölkert, allen voran den Matrosen in ihren auffälligen, blau-weißen Uniformen mit den gestreiften Krägen. Bewegung wird durch die diagonale Stellung der Figuren ausgedrückt sowie in den lebhaften Haltungen der Körper, der schwingenden Füße und fließenden Röcke. In dem Treiben liegt eine unterschwellige Erotik, angedeutet in dem Kleid der Frau links, das sich an einer Ecke hochschiebt und so den Blick auf Strümpfe mit Strumpfband freigibt, oder auch in der Hand des modisch gekleideten Herrn in Knickerbocker und Schiebermütze, die unter dem Rückenausschnitt seiner Partnerin auf dem nackten Rücken verschwindet.
Dix’ farbige Papierarbeiten entstehen häufig aus Linienschichten, die die Körper in ihrer ambivalenten Innen- und Außenexistenz wiedergeben. Durch die Transparenz der Farben schimmert auch hier die unterliegende Bleistiftzeichnung durch. So erscheinen die nackten Formen der Frauen durch ihre Kleidung hindurch, die Pobacken gerade bei der sitzenden Frau klar definiert. Dadurch wird der sexuelle Aspekt verstärkt, das fröhliche Treiben zu einer Art Vorspiel erklärt. Dix setzt hier wieder äußerst virtuos die Farbe ein, in einem rhythmischen Spiel ziehen sich Blau und Grün in vertikalen Feldern durch die Arbeit. Dix glaubte, dass jede Person ihre eigene, aussagekräftige Farbe hatte. Auch hier werden die Figuren durch ihren Teint definiert, die Männer mit rötlich-braunen Gesichtern, die Frauen hingegen vornehm blass. Nur die schwarze Frau am linken Rand bildet eine Ausnahme, ihr Gesicht mit den aufgerissenen Augen und dem breiten, roten Mund wirkt wie eine Karikatur des Exotischen. – Kurze Einrisse am Rand, verso verstärkt. Allgemein in altersgemäß sehr gutem und farbfrischem Zustand.

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