Meister des ganz Großen – auch im Kleinen

Karl & Faber setzt mit der Frühjahrsauktion Alte Meister & 19. Jahrhundert seine erfolgreiche Serie exquisiter Offerten fort

PDF | Pressemitteilung Vorbericht zu Auktion 302

  • Am Mittwoch, 16. Juni 2021, ab 11 Uhr lädt Karl & Faber Kunstauktionen zur Live-Auktion 302 nach München ein. Einmal mehr kommen zahlreiche Glanzstücke zum Aufruf – darunter auch zwei feine weiße Scherenschnitte von Philipp Otto Runge, die bereits seine Zeitgenossen begeisterten
  • Neu entdeckt, frisch auf dem Markt und exklusiv bei Karl & Faber erwarten die Bietenden zudem drei Landschaften von wahren Meistern dieses Genres: von dem niederländischen Maler Herman Saftleven und dem Münchner „Vorimpressionisten“ Carl Spitzweg
  • Und auch diesmal stellt Karl & Faber seine Expertise in der Druckgrafik unter Beweis – mit raren und brillanten Blättern von Albrecht Dürer und Rembrandt Harmenszoon van Rijn

Es ist „bloß“ eine Narzisse (Los 266) oder vielmehr nur die Silhouette dieser Frühlingsblume. Aber Philipp Otto Runge hat in diesem Weißschnitt das Wesentliche perfekt herausgearbeitet. Mit seinen akkuraten Scherenschnitten entzückte der Frühromantiker nicht nur seine Zeitgenossen, die große Freude an solch kleinen Dingen hatten. Auch spätere Sammler rissen sich in Auktionen um die raren Stücke. Jetzt kommen beim Kunstauktionshaus Karl & Faber zwei dieser Weißschnitte zum Aufruf: neben besagter Narzisse auch eine Lilie und Levkoje (Los 267) – beide jeweils zum Schätzpreis von € 30.000/40.000.

Gerade das zurückliegende Jahr hat gezeigt, wie uns die Freude an kleinen Dingen durch schwierige Zeiten trägt. So können auch Gemälde im Miniaturformat uns die Schönheit unserer Umgebung wieder nahebringen. Wie Herman Saftlevens Werk Bij De Seven Bergen – Im Siebengebirge (Los 12) aus den 1650er oder frühen 1660er Jahren, das mit einer Taxe von € 60.000/70.000 an den Start geht. Das Ölgemälde ist eine von 30 leuchtenden Kupfertafeln, die zu den gesuchtesten Werken im Œuvre des Niederländers zählen. Die exzellent erhaltene Landschaft ist eine Entdeckung, die nach Jahrzehnten in einer rheinischen Privatsammlung erstmals wieder auf den Markt kommt.

Den Blick aufs Detail lenkt Nicolaes van Veerendael meisterhaft mit seinen Blumenstillleben. In seinem Blumenbouquet mit Rosen und Tulpen in steinerner Nische (Los 11, Mitte der 1670er Jahre) sind einfache Wildblumen kostbaren Zuchtformen wie der Zentifolienrose und der Tulpe ausgewogen gegenübergestellt. Gleichzeitig enthält das dekorative Arrangement eine Vanitasthematik, die damals den Zeitgenossen des Antwerpener Künstlers wohlvertraut war und auch uns inzwischen wieder näher gerückt ist. Schätzpreis: € 40.000/50.000.

Bieter, die bei Veerendael nicht zum Zug kommen, öffnen sich in der Karl & Faber Frühjahrsauktion
weitere Chancen, die Stilllebenofferte ist äußerst reichhaltig und vielseitig. Sie enthält die gesamte Palette des Genres: Blumen-, Früchte-, Jagd- und Vanitasstillleben. So kommt eines der lediglich drei Blumenstillleben von Hendrik Borcht zum Aufruf sowie auch Werke von Jan Pauwel Gillemans dem
Älteren, von Jan Mortel, Jacob Biltius und aus dem Felice-Boselli-Umkreis.

Das Bildnis einer 32jährigen Frau – Dorothea Jörg (Los 4, 1524) von Barthel Beham ist auf den ersten Blick einfach angelegt. Doch es zeugt von der ebenfalls ins Detail gehenden, lebensvollen Beobachtungsgabe des Nürnberger Malers, der als einer der wichtigsten Nachfolger Dürers gilt. Der älteren Generation dürfte sein präzises Arbeiten vom früheren 50-Mark-Schein mit seinem Ausschnitt aus Behams Bildnis des Hans Urmiller mit seinem Sohn vertraut sein. Das angebotene Frauenporträt ist wohl ein frühes Werk. Das männliche Pendant dazu findet sich in der Prager Nationalgalerie. Schätzpreis: € 50.000/70.000.

Ein ganz anderes Frauenbild pflegt über 300 Jahre später dagegen John Rodd(h)am Spencer Stanhope mit seiner Andromeda (Los 133, um 1870). Die Episode aus Ovids Metamorphosen war unter den britischen Präraffaeliten ein beliebtes Thema, auch bei Edward Burne-Jones. Bot es doch die Chance, im prüden viktorianischen England unter dem Vorwand der Mythologie viel nackte weibliche Haut zu zeigen. Stanhopes Andromeda ist zudem von Botticellis Venus inspiriert. Taxe: € 80.000/100.000.

Gustave Courbet ist bekannt für seine intensiven Porträts von Freunden und Bekannten und seine Selbstbildnisse, die von der inneren Zerrissenheit des Künstlers zeugen. Die Porträtstudie des Lyrikers Marc Trapadoux (Los 129, um 1849) zeigt ein „Original von exzentrischer Natur“. Der Meister des Realismus verewigte seinen Freund zwei weitere Male (Troyes, Musée d’Art moderne, und Berlin, Sammlung Scharf-Gerstenberg). Dem angebotenen Bildnis liegt eine physische Präsenz zugrunde, die es für den Betrachter zu einer unmittelbaren echten Begegnung macht. Schätzpreis: € 30.000/40.000.

Welche gelassene Ruhe strahlt dagegen die Einsamkeit (Los 144, 1896) von Hans Thoma aus. Nichts stört die Ruhe des nackten jungen Mannes in seiner Schau nach innen. Der Künstler griff das Motiv mehrfach auf in Auseinandersetzung mit Hippolyte Flandrins nacktem Jüngling (Louvre, Paris). Er schuf mehrere Versionen des Themas, doch das zum Aufruf kommende Ölgemälde ist sicher die intensivste und verdichtetste Interpretation des Motivs. Schätzpreis: € 25.000/35.000.

Wie schon in den vorangegangenen Auktionen bei Karl & Faber sind auch diesmal zahlreiche Münchner Künstler vertreten. Allen voran die großen Malerfürsten Franz von Lenbach und Franz von Stuck. Von Lenbach kommt ein Porträt Bismarcks (Los 163, € 12.000/15.000) zum Aufruf, von Franz von Stuck drei Zeichnungen – darunter eine Vorstufe für sein berühmtes Gemälde Feinde ringsum (Los 294). Taxe: € 2.000.

Doch auch Johann Georg von Dillis eroberte sich seinen Platz in der ehemaligen Residenzstadt. Gilt er doch als wichtigster Vertreter der Münchner Schule, der sich vor allem als einfühlsamer Porträtist der oberbayerischen Landschaft, von München und Tirol auszeichnet. In der Auktion 302 kommen zwei Ölgemälde von ihm zum Aufruf: das Kloster Reutberg bei Dietramszell (Los 269) mit einer Taxe von € 30.000/40.000 und Auf der Praterinsel (Los 86) zum Schätzpreis von € 12.000/15.000.
Von Carl Spitzweg stammen zwei neu aufgetauchte Gemälde: eine Donaulandschaft (Los 105) und die Landschaft mit junger Frau und Hund (Los 104, um 1875 bis 1880). Der Meister des ganz Großen im Kleinen entfaltet bei Letzterem auf dem Mahagoniholz eines Zigarrenkistchens eine idyllische Landschaft, in der sich eine beschauliche Szene abspielt – vor einer für ihn charakteristischen, weit in der Ferne liegenden Bergkulisse. Alles scheint nur angedeutet, entfaltet aber gerade dadurch seinen besonderen „vorimpressionistischen“ Reiz. Taxe: € 10.000/15.000.

Franz Ludwig Catel gilt als einer der Erfinder des romantischen Italien-Bildes. Seine Neapolitanische Fischerfamilie in ihrer Behausung bei Mergellina am Capo di Posilippo mit Blick auf Castel dell’Ovo und den Vesuv, (Los 64, nach 1811) wendet typisch romantisch den Blick von innen nach außen, im Kontrast zwischen hell und dunkel, zwischen nah und fern. Eine weitere Ölskizze mit dem Motiv befindet sich in der Hamburger Kunsthalle, das ausgeführte großformatige Gemälde im Thorwaldsen Museum (Kopenhagen). Kleinformate wie das angebotene waren damals bei den Italien-Pilgern als Souvenir sehr beliebt. Schätzpreis: € 7.000/9.000.

In der zurückliegenden Herbstauktion von Karl & Faber entdeckten die Bieter übrigens ihre neue Liebe zu den Alten Meistern. Spitzenergebnisse lieferten sowohl die angebotenen Gemälde als auch – wie gewohnt – die Druckgrafik. Kein Wunder, dass auch in diesem Frühjahr die Einlieferer auf die Expertise und Kompetenz des Münchner Auktionshauses setzen.

So sind für das Top-Los – Der heilige Eustachius von Albrecht Dürer (Los 309, um 1501) – bereits € 120.000/150.000 als Taxe angesetzt. Der Nürnberger Renaissance-Meister schätzte dieses Blatt ganz besonders. Bei der vorliegenden Version handelt es sich um einen brillanten, kontrastreichen und tiefschwarzen Frühdruck, den es selten so schön auf dem Markt gibt. Zudem zeigt der großformatige Kupferstich Dürers Meisterschaft in der detailgenauen Wiedergabe der Natur. Von gleich hoher Qualität sind zwei weitere Blätter von ihm: Der verlorene Sohn (Los 305 Taxe: € 50.000/60.000) und Die apokalyptischen Reiter (Los 324, um 1497/98), die zu seinen berühmtesten Werken zählen. Schätzpreis: € 50.000/60.000.

Auch Barock-Meister Rembrandt Harmenszoon van Rijn schlug in der vergangenen Herbstauktion bei Karl & Faber alle Rekorde. In Auktion 302 kommt nun Die Landschaft mit dem Zeichner (Los 362, um 1641) zum Aufruf. Rembrandts Landschaftsradierungen zählen zu seinen seltenen Druckgrafiken, da er nur wenige Abzüge produzierte. Die Platte dieses Blatts ging früh verloren, sodass es keine Spätdrucke gibt und die aktuelle Offerte eine absolute Rarität ist. Taxe: € 50.000/60.000.

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VORBESICHTIGUNGEN
Die Vorbesichtigung ist derzeit nur individuell (maximal zwei Personen) oder als Familie möglich, nach telefonischer Vereinbarung oder per E-Mail-Voranmeldung.

München: Vorbesichtigung aller Werke von Montag, 7. bis Dienstag, 15. Juni 2021
Amiraplatz 3 – Luitpoldblock, 80333 München, Telefon: 089/22 18 65, info@karlundfaber.de

AUKTIONSABLAUF
Auktion 302 – Alte Meister & Kunst des 19. Jahrhunderts
Mittwoch, 16. Juni 2021
11.00 Uhr Gemälde                                            Los 1 – 205
13.30 Uhr Pause
14.30 Uhr Zeichnungen                                    Los 210 – 294
15.30 Uhr Druckgrafik (separater Katalog)     Los 300 – 403

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