Albrecht Adam

Ein Apfelschimmel, ein Brauner mit Reiter und ein Rappfohlen vor ungarischer Landschaft

Details

Wir danken Frau Dr. Ulrike von Hase-Schmundt, München, für die Bestätigung der Authentizität und für wertvolle Hinweise zur Katalogisierung dieses Werks.

Provenienz:
Privatbesitz, Norddeutschland.

Beschreibung

Albrecht Adam war nicht nur erschöpfender Schilderer der napoleonischen Kriege, sondern auch begnadeter Maler herrschaftlicher Pferde. Seit Adam 1819 für den König von Württemberg eine Reihe von Bildnissen seiner edlen arabischen Pferde geschaffen hatte, gehörte die Darstellung von Pferden zu seinem festen Repertoire. Selbst begeisterter Reiter und Besitzer von Pferden – etwa des arabischen Schimmels „Rhezia“ –, fand Adam in der in der Nähe der Theresienwiese gelegenen Adamei wiederholt Gelegenheit zum Studium verschiedenster Pferde. Von ihm existieren Bildnisse hochgestellter Persönlichkeiten zu Pferde, aber auch von den Mitgliedern seiner eigenen Familie; eine eigene Gruppe bilden die sogenannten Pferdestallbilder, auf denen Pfleger die eingestellten Pferde versorgen. Dazu gesellen sich einzelne Gemälde, die auf die südlich-orientalische Herkunft der edlen Araber verweisen: Auf unserem Gemälde stehen sich auf einer Anhöhe ein orientalisch anmutender Reiter und ein Mann mit wärmendem Umhang gegenüber, in dem man wohl eine Art Pferdehirte erkennen darf, der für die Versorgung und Ausbildung der Pferde verantwortlich war. Ihr Zusammentreffen steht in der Tradition der Begegnungsbilder Wilhelms von Kobell, auf denen sich unterschiedliche Stände begegnen – hier der offensichtlich höhergestellte Reiter, ihm gegenüber der zu ihm aufschauende Hirte. Um was es bei ihrem Gespräch geht, wird hingegen nicht ersichtlich – kommt der Reiter zur Kontrolle oder sollte es um einen Handel mit dem bei dem Hirten stehenden grauen Schimmel und seinem Araberfohlen gehen?
Der Reiter trägt eine volkstümliche Tracht, die ihn als Angehörigen eines südlichen Reitervolks ausweist, wahrscheinlich von Ungarn, wo die Pferdezucht im 19. Jahrhundert vor allem in der Tiefebene der Puszta große Tradition hatte. Eine solche Ebene, auf der weitere Pferde weiden, breitet sich unterhalb der Anhöhe bis zu einem abschließenden Gebirgszug aus.
All dies erzählt Albrecht Adam in satten Farben, mit großer Liebe zum Detail, angereichert mit anekdotischen Motiven wie dem Wagen oder den Enten und Hühnern im Vordergrund. Das Gemälde ist ein hervorragendes Beispiel für die hohe Malkultur Adams; Ulrike von Hase-Schmundt, die beste Kennerin von Adams malerischem Werk, geht davon aus, dass es sich, wie bei vielen anderen Gemälden Adams, um eine Gemeinschaftsarbeit mit seinem Sohn Eugen handelt, die durch die Signatur allerdings als Werk des Vaters ausgewiesen ist.
Adam hatte ein thematisch ähnliches Gemälde bereits 1830 ausgeführt, als er sich sieben Wochen in Donaueschingen bei den Fürsten von Fürstenberg aufhielt und neben zahlreichen Pferdebildnissen ein Gemälde schuf, auf dem ein Araber eine arabische Stute mit ihrem Fohlen vorführt (Donaueschingen, Fürsten zu Fürstenberg). Ein 1844 entstandenes Gemälde soll den großen Siglavi, jenen arabischen Hengst, der eine der Lipizzaner-Hengstlinien begründete, und den Forresto-Schimmel des kaiserlichen Marstalls in Wien zeigen (Nürnberg, Germanisches Nationalmuseum, Inv.-Nr. Gm 1652). Mit solchen Gemälden versuchte Adam das Pferdebildnis aus seinem traditionellen Darstellungszusammenhang zu lösen, indem er durch die Staffage und Landschaft auf die exotische Herkunft der Tiere verwies.