Christo und Jeanne-Claude

„Canapé Empaquetée (Projet pour Spectrum, Bergey, Holland) Salle No. 3, Stedelijk van Abbemuseum, Eindhoven“

Details

Wir danken Matthias Koddenberg, Estate of Christo V. Javacheff, für seine freundlichen Auskünfte bei der Katalogisierung dieses Werkes. Das Werk ist im Archiv Christo and Jeanne-Claude, New York, registriert

Provenienz:
Privatsammlung, München.

Beschreibung

Die detailreiche Collage von Christo zeigt ein Sofa, das mit Folie umwickelt und an den markanten Stellen mit groben Schnüren versehen ist. Sie gibt einen Einblick in die unermüdliche Vorliebe des Künstlers, alltägliche Gegenstände, die unsere Lebenswelt ausmachen, zu entfremden und neu darzustellen.
Christo begann in den späten 1950er Jahren mit einer gewissen Besessenheit Gegenstände und kleinere Möbel wie Stühle, Zeitschriften, Fahrräder und Telefone zu umhüllen. Dabei ging es ihm nicht darum, die Gegenstände für den Betrachter unkenntlich zu machen, sondern viel mehr seine gewohnte Beziehung zu dem Objekt zu stören und somit eine neue Perspektive zu schaffen. Diese frühen Verhüllungen entstanden alle in direkter Auseinandersetzung mit dem physischen Gegenstand, spontan, ohne besondere Planung oder Vorbereitung.
Mit der Zeit wurden Christos Werke komplexer und dehnten sich immer weiter in den Raum aus. Den entscheidenden Schritt zu den späteren Großprojekten machte er konzeptionell in den frühen 1960er Jahren. Er begann, seine Arbeiten mit Skizzen und Zeichnungen vorzubereiten, die es ihm ermöglichten, seine Ideen im Voraus zu visualisieren, von denen wovon das Werk „Canapé Empaquetée“ von 1965 ein wunderschönes Beispiel ist. Jede Zeichnung ist als eigenständiges Kunstwerk zu verstehen, die jedoch nicht zum reinen Selbstzweck entwickelt wurden. Sie erfüllten eine bestimmte Funktion innerhalb des Arbeitsprozesses. Auf einem zweidimensionalen Weg nahm das gewünschte Endprodukt sozusagen seine Form an, eine Schablone, nach der das Werk dann als Objekt realisiert werden konnte.
Später entwickelte sich Christos Praxis weiter und umfasste auch Denkmäler, Gebäude und geografische Wahrzeichen. Zu den bemerkenswertesten Projekten gehören die umhüllte Pont Neuf-Brücke, die Tore aus Vinyl-Segeln im Central Park, der umhüllte Reichstag und die umschlossenen Inseln in der Biscayne Bay, die dem Künstler mediale Aufmerksamkeit und große Bekanntheit einbrachten.