Details

Laut Wichmann lag ein Gutachten von Dr. Eberhard Hanfstaengl, München, datiert 25.1.1966, vor.

Wichmann 1228.

Literatur:
Siegfried Wichmann, Werkverzeichnistext, Starnberg, vom 7.1.1987, S. 1-3;
Siegfried Wichmann, Carl Spitzweg. Schloß in den Bergen. Dokumentation, Starnberg-München, R.f.v.u.a.K. 1999, S. 46f., mit farb. Abb., Bayer. Staatsbibl. München, Inv.-Nr. Ana 656 SW 163;
Siegfried Wichmann, Carl Spitzweg. Verzeichnis der Werke, Stuttgart 2002, S. 470, Kat.-Nr. 1228, mit farb. Abb;

Provenienz:
Weinmüller, München, Auktion 133, 10.3.1971, S. 123, Los 1629; mit Abb. Tafel 89;
Galerie Wimmer, München;
Neumeister, München, Auktion 208, 12.5.1982, Los 912;
Gemäldehaus Horst Mahler, München;
seitdem Privatbesitz, Berlin.

Beschreibung

Wie kein anderer Maler hat Carl Spitzweg in der zweiten Jahrhunderthälfte das kleine Format als eigenständige Kunstform etabliert – berühmt sind seine kleinen Gemälde auf dem Holz von Zigarrenkisten, die sich deshalb im Format alle ähneln. Seit den 1870er Jahren hat Spitzweg diesen Malgrund für sich entdeckt und darauf vor allem kleine Landschaften gemalt, die eine ganz eigene Sicht auf die Natur vorstellen. Unser Beispiel zeigt eine Flusslandschaft, auf der sich der Fluss im Vordergrund zu einem flachen Ufer hin weitet, auf dem ein Paar steht, das offensichtlich gerade aus dem Haus gekommen ist, das links zwischen hohen Bäumen sichtbar ist. Auf der anderen Seite steigt das Ufer in einem in die Bildtiefe sich erstreckenden Höhenzug steil an, es ist tief verschattet, nur auf der Anhöhe erscheint im Licht ein Gebäude – offensichtlich ein Kastell oder eine Burg. Hinten werden Berge sichtbar, über denen sich ein stark bewölkter Himmel öffnet, der seine reiche Farbigkeit in fein abgestuften Grau-, Ocker- und durchscheinenden Blautönen entfaltet.
Die lockere, an Ölskizzen erinnernde Pinselschrift legt eine Entstehung vor der Natur nahe. Auch in München hatte die Pleinairmalerei, nachdem in der ersten Jahrhunderthälfte Maler wie Johann Georg von Dillis die nähere Umgebung und das Voralpenland als Gegenstand ihrer Malerei entdeckt hatten, in der zweiten Jahrhunderthälfte unter dem Einfluss der Rezeption der Schule von Barbizon weite Verbreitung gefunden. Zahlreiche Münchner Maler – auch Spitzweg – hatten das südlich von Paris im Wald von Fontainebleau gelegene Dorf besucht und 1869 wurden auf der 1. Internationalen Kunstausstellung im Münchner Glaspalast Werke aller bedeutenden französischen Künstler gezeigt – Corot, Courbet, Daubigny, Millet und Rousseau.
Münchner Maler wie Christian Morgenstern, Adolf Lier oder August Seidel fanden auf zahlreichen Exkursionen im Voralpenland eine reiche Motivwelt, die sie vor der Natur festhielten. Im Gegensatz zu Spitzweg aber versuchen sie das jeweilige Naturvorbild relativ getreu abzubilden, sie verharren eigentlich im Naturstudium, während Spitzweg sich davon löst. Seine Ansicht ist zwar auch als Ausschnitt aus der Natur denkbar und ruft ähnliche Ansichten aus dem Isar- oder Loisachtal in Erinnerung, doch stört die Burg diesen Eindruck – sie gibt der Landschaft etwas Irreales, Imaginäres. Spitzweg hat vor der Natur kaum gemalt und auch so gut wie alle seine kleinformatigen Landschaften hat er im Atelier geschaffen. Deshalb existieren von ihm auch keine topografisch bestimmbaren Ansichten – er gibt keinen Natureindruck wieder, sondern entwickelt seine Bildwelt aus einer vom Naturvorbild weitgehend unabhängigen Imagination. Sein formauflösender Farbauftrag, sein pulsierender Farbraum ist dabei genauso Produkt seiner Fantasie wie die besondere, nahezu magische Stimmungs- und Lichtregie, die über seinen Bildern liegt. Dies gilt in besonderem Maße für seine späten, erst nach 1870 entstandenen Gemälde, zu denen auch unser Bild gehört.
Dr. Peter Prange

Die Authentizität der vorliegenden Arbeit wurde von Detlef Rosenberger am 22.9.2022 bestätigt.