Details

Marchesseau 618.

Provenienz:
Sotheby’s, London 1983, Los 443;
Galerie Nichido, Tokio;
Sotheby’s, London 26.6.1985, Los 265;
Privatsammlung, Deutschland, durch Erbfolge an die jetzigen Besitzer.

Beschreibung

Marie Laurencins Arbeiten zeichnen sich durch eine ganz eigene luftige Art aus. Ihre Werke zeigen von der Realität entrückte Mädchen oder junge Frauen in wehenden luftigen Roben mit Blumen im Haar. Diesmal ist auch ein junger Mann darunter. Die Szene eines „Fête galante“ mit 6 Figuren, kleinem Türmchen und wehenden Stoffen übernimmt die Künstlerin aus dem Rokoko. Die Hauptvertreter dieser Bildgattung waren u.a. Antoine Watteau, François Boucher und Jean-Honoré Fragonard. Wie im vorliegenden Werk hielt man damals in einer ländlichen Idylle verliebte Paare, Tänzer, attraktive Damen und Hirten fest. Laurencin verwendet hier eine Farbpalette mit Blau, Rot und Gelbtönen, die sie mit viel Weiß und Grauabstufungen auflockert. Durch diese ganz eigene Farbwahl, fast ohne Konturen, bringt sie ihre lyrischen Motive zum Schwingen und verleiht ihnen etwas Zauberhaftes und Leichtes.

Obwohl Marie Laurencin schon früh mit den Kubisten wie Georges Braque und später mit Pablo Picasso bekannt ist, übernimmt sie nicht deren kubistischen Stil, sondern entwickelt ihren ganz eigenen. Laurencin, die als Muse von Guillaume Apollinaire gilt, veröffentlicht zudem 1905 unter dem Pseudonym Louise Lalanne einzelne lyrische Arbeiten. Zwei Jahre später findet ihre erste Ausstellung im Salon des Indépendants statt. Weitere Ausstellungen folgen in der Galerie Berthe Weill, der Galerie Barbazanges und später auf der Armory Show in New York.
Henri Rousseau wird in dieser Zeit nach einem gemeinsamen Bankett zu dem Gemälde „La Muse inspirant le poète“ (1909) inspiriert, das Laurencin und Apollinaire zeigt. Im selben Jahr schließt sie mit dem erfolgreichen Kunsthändler Paul Rosenberg einen Vertrag, der sie bis 1940 vertreten wird. Schon 1912 hat Laurencin den deutschen Schriftsteller Hanns Heinz Ewers kennengelernt und pflegt bis etwa 1920 mit ihm eine Beziehung. Parallel dazu macht sie im Herbst 1913 im Café du Dôme die Bekanntschaft mit Otto von Wätjen, den sie im Juni 1914 heiratet und somit die deutsche Staatsbürgerschaft erhält. Mit Beginn des Ersten Weltkriegs zieht das Paar nach Spanien und trifft dort 1915/16 wieder auf Ewers. Nachdem Laurencin 1918 mit ihrem Ehemann nach Düsseldorf zieht, trennt sich das Paar, 1921 wird die Ehe schließlich geschieden. Laurencin kehrt nach Paris zurück und erhält ihre französische Staatsbürgerschaft wieder. Ab 1924 beschäftigt sich Marie Laurencin mit Bühnenbildentwürfen, veröffentlicht Buchillustrationen und unterrichtet in den frühen 1930er Jahren an der Kunstakademie Villa Malakoff in Paris.
Ihre Werke sind u.a. im Baltimore Museum of Art, im Centre Pompidou, in der Tate Gallery in London und im Marie Laurencin Museum in Tokio präsent.