Details

Gmelin 62.

Literatur:
Hans Georg Gmelin, Wilhelm Busch als Maler, Berlin 1980, S. 210, Kat.-Nr. 62, mit Abb.

Provenienz:
Galerie Heinemann, München, auf der Rahmenrückseite mit dem Ausstellungsetikett (Nr. 500);
Galerie Arnold, Dresden;
Kunsthandel Alexander Gebhardt, München;
Sammlung Georg Schäfer, Schweinfurt, verso mit dem Etikett (Inv.-Nr. 3144);
Christie’s, Düsseldorf, Auktion, 31.1.2000, Los 211;
Privatbesitz, Westfalen.

Beschreibung

Wilhelm Busch hat einen Großteil seines Lebens in protestantischen Pfarrhäusern verbracht. Als neunjähriger Knabe wurde er seinem Onkel, dem Pastor Georg Kleine, zur Erziehung anvertraut; fortan wurden Gesangsbuchverse auswendig gelernt und die Bibel studiert. Zwar spottete er in seinem satirischen Werk wiederholt über die Eitelkeit der „Pfaffen“, eigentlich war er aber ein gläubiger Mensch und schwieg sich in Glaubenssachen weitestgehend aus. Gegen den Strich gingen ihm aber Heuchelei und die Doppelmoral der römischen Kirche. Seine Bildergeschichten werden von Figuren mit religiösem Hintergrund bevölkert, doch sind es bestenfalls komische Heilige: So ist die Frömmelei Helenes nur gespielt und sein heiliger Antonius von Padua erotischen Abenteuern nicht abgeneigt. Durchaus von einer antiklerikalen Haltung geprägt, ließ er sich in der Zeit des Kulturkampfes von seinem Verleger zu dem jesuitenfeindlichen Pamphlet „Pater Filucius“ hinreißen. Unser Hände ringender Mönch ist zwar im Werkverzeichnis unter diesem Titel verzeichnet, Gmelin äußert aber berechtigte Zweifel, da der Pater in der Bildergeschichte „in Wirklichkeit ein Jesuit von hagerem Typus war“ und mit dem hier Dargestellten keine Ähnlichkeit habe. Aus einem Strudel brauner Pinselstriche treten „wie aus einem Höllenfeuer“ (Gmelin) Gesicht und Hände des Mannes hervor. Das Gewand geht fast in den Grund über und lässt auf die Kenntnis der Braunmalerei Franz von Lenbachs schließen. Eine solch aufgewühlte, fast monochrome Malweise kennzeichnet eine Phase in Buschs Schaffen, die etwa Ende 1877 beginnt und ins folgende Jahr hineinreicht.