Details

Provenienz:
Privatbesitz, Süddeutschland.

Beschreibung

In vorliegendem Bild wird ein selten dargestelltes Thema visualisiert, über das apokryph Flavius Josephus berichtet: Der Mosesknabe habe die Krone, die ihm der Pharao im Spiel aufgesetzt hatte, zu Boden geschleudert und sie mit seinen Füßchen getreten (vgl. Antiquitates Judaicae II, 9, 7). Der Pharao, der seine Königswürde verspottet sah, ließ daraufhin seine Richter und Obersten zu sich rufen, um über den Fehltritt des Kleinen zu entscheiden. Man unterzog ihn einer Probe: Um auszuschließen, dass sich in dem lästerlichen Verhalten des Kindes ein Machtwunsch äußerte, ließ man ihm funkelnde Edelsteine und eine Schale voller Kohlen bringen. Wählte Moses die Steine, so hätte er sterben müssen. Er griff aber, gelenkt von einem Engel, nach der glimmenden Kohle. So behielt er sein Leben, verbrannte sich aber gehörig die Lippen. Der Überlieferung zufolge hatte Moses fortan eine „schwere Sprache“, will heißen, er stotterte.
In einer prunkvoll ausgestatteten Palastarchitektur drängen sich Diener, Soldaten und Gelehrte um den Thron des Pharaos. Der Mosesknabe sitzt auf dem Schoß seiner Adoptivmutter Thermuthis, die sich mit flehendem Blick ihrem Vater zuwendet (die Krone sitzt wieder an Ort und Stelle, kein Zacken ist herausgebrochen). Während sie mit einer Handbewegung signalisiert, das Tablett mit den Edelsteinen abtragen zu lassen, hat Moses schon ein Stück glühende Kohle gefährlich nah zum Mund geführt. Die Umstehenden weichen aufgeschreckt unter großem Gebaren zurück. Moses hatte die Feuerprobe bestanden und seine Treue unter Beweis gestellt.

Wir danken Dr. Andreas Gamerith für die wertvollen Hinweise zur Katalogisierung dieses Loses.