Jorinde Voigt

„Algorithmus Adlerflug – Elektrizität II“

Details

Die Arbeit wird im Werkverzeichnis der Künstlerin unter der Nummer 2009 – 259 geführt.

Ausstellung:
Can birds fly?, Galerie Parisa Kind, Frankfurt 2009.

Provenienz:
Privatsammlung, Berlin, direkt von der Künstlerin erworben.

Beschreibung

In ihren großformatigen Zeichnungen visualisiert Jorinde Voigt mit Hilfe streng konzeptioneller Kompositionen Wahrnehmungsphänomene. Dabei bringt sie nicht Greifbares, klar Definiertes zu Papier, sondern nähert sich über grazile Bögen und Linien, Zeichen, Notizen, Markierungen und Zahlenfolgen bestimmten Phänomenen des Sehens oder Hörens an. In „Algorithmus Adlerflug – Elektrizität II“ widmet sich die Berliner Künstlerin dem Phänomen des Adlerflugs. Die Vektoren sind in diesem Fall die rechnerische Annäherung an den Verlauf des Adlerflugs, die Raumflucht, der Luftstrom, die Himmelsrichtung, die Windstärke und
-richtung. Die Künstlerin selbst beschreibt die Zeichnung folgendermaßen: „Die Stromachse bildet einen perspektivischen Raumentwurf. Entlang der Halbkreise der Stromachsen entwickelt sich die Luftraumbeschreibung durch den Algorithmus des Adlerfluges. Der Luftraum wird über die Flugbahnen von einhundert Adlern beschrieben. Die Bahnen sind ineinander verwoben. Zwei mögliche Flugrichtungen sind zeitlich parallel formuliert.
Bei jedem Schritt wechselt die Verortung auf dem Bogen (Halbkreis). In der Zeichnung sind drei Himmelsrichtungswechsel angelegt, welche sich innerhalb des gleichen Raumes vollziehen. Die Arbeit ist von allen Seiten lesbar und verzichtet auf Linearität.
Die Windrichtung ändert sich proportional zur Himmelsrichtung, nicht aber zum konkreten räumlichen Standpunkt des Betrachters. Die Windstärke variiert zwischen zwei und drei Knoten. Der Strom ist ein den Adler-Flug strukturierendes Element und dient kompositorisch als Zäsur. Die Notation nimmt das Bild von Stromleitungen und Elektronenfluss auf.“ Dabei ist der Adler für Jorinde Voigt „ein vielfältig aufgeladener Begriff. Seine Verwendung beinhaltet die gesamte Komplexität der verschiedenen Konnotationen symbolischer, mythologischer, heraldischer und biologischer Herkunft. Der Adler ist eines der international beliebtesten Wappentiere und steht symbolisch für Unsterblichkeit, Mut, Weitblick und Kraft. Das Element Adler steht in der Zeichnung für das Phänomen eines kollektiven Gedankens und administrativer wie auch organisatorischer Vorgänge.“ Diese klar analytische, aber nüchterne Beschreibung des Dargestellten vermittelt nur wenig von der überwältigenden poetischen Kraft, die die Zeichnungen in der Gesamtansicht entwickeln.