Ernst Ludwig Kirchner

Akt im Davoser Atelier (Erna)

Details

Die vorliegende Arbeit ist im Ernst Ludwig Kirchner Archiv, Wichtrach/Bern, dokumentiert.

Provenienz:
Nachlass des Künstlers, verso mit dem Basler Nachlassstempel (Lugt 1570b), der handschriftlichen Registriernummer „K Da/Bg 97“ sowie den Nummern „K 7635“ und „7292“;
Privatbesitz, Schweiz.

Beschreibung

Vor Kirchner ziehen sich die Damen und Mädchen, die Modelle und Freundinnen aus und lassen sich vom Meister zeichnen, malen und porträtieren. Mit wenigen klaren Linien fängt der Künstler das Wesen und die Ausstrahlung der Menschen in seiner Umgebung ein, bringt diese zu Papier. Liegend, sitzend, stehend oder kniend, präsentieren diese sich dem Betrachter und wirken nie gekünstelt in ihrer Haltung, als würde immer ein Moment des Bewegungsablaufes festgehalten werden. Das oder die Modelle werden mit raschen, klaren Linien in ihrer Haltung oder Bewegung eingefangen. Meistens posieren sie nicht für den Künstler – im Gegenteil, sie scheinen diesen gar nicht wahrzunehmen.

Charakteristisch ist in diesen Zeichnungen die auf die Konturen reduzierte klare Linienführung, selten gewischt oder laviert, die kaum Volumina entstehen lässt. Ein stark auf das Wesentliche reduzierter Darstellungsmodus, der eine besonders rasche Arbeitsweise ermöglicht. Diesen hat sich Kirchner während der gemeinsamen Jahre der Künstlergruppe „Brücke“ in den sogenannten „Viertelstundenakten“ zu eigen gemacht. Dabei dürfen die Modelle nicht länger als 15 Minuten in einer bestimmten Position verharren und das Gesehene muss in eben dieser Zeit von den Künstlern auf Papier festgehalten werden. Dies führt dazu, dass Korrekturen, wie etwa Radieren, nicht möglich sind: Wenn er sich geirrt hat, dann überzeichnet der Künstler, sodass die Korrektur in der Darstellung sichtbar blieb.

Ein beliebtes und oft gezeichnetes Modell Kirchners ist Erna, die Lebensgefährtin und ständige Muse des Künstlers, die auch in unserer Zeichnung in seinem Atelier in Davos dargestellt ist.