Ernst Ludwig Kirchner

Lesender Akt bei der Lampe

Details

Dube L 199 (Sitzender lesender Akt); Gercken 570.

Literatur:
Städtische Museen Jena, Kulturstiftung Jena, Jenaer Kunstverein e.V. (Hrsg.), Rausch und Ernüchterung. Die Bildersammlung des Jenaer Kunstvereins – Schicksal einer Sammlung der Avantgarde im 20. Jahrhundert, Jena/Quedlinburg 2008, Inv.-Nr. 254, S. 143.

Ausstellung:
Von Menzel bis Beckmann. Kunst auf Papier, Kunsthandel Giese & Schweiger, Wien 2018, Kat.-Nr. 17.

Provenienz:
Kunstverein, Jena, verso mit dem Stempel;
Botho-Graef-Stiftung (Kirchner Liste), Jena 1918-1937;
Beschlagnahmung durch das Deutsche Reich, 1937-1940; Galerie Ferdinand Möller, Berlin 1940-1943, verso mit dem Stempel;
Kunsthändler Ferdinand Möller, Zermützel 1943-1949; Galerie Michael Neumann, Düsseldorf 1980;
Privatbesitz, Österreich.

Beschreibung

Am Unterrand und verso mit diversen handschriftlichen Bezeichnungen.

1912 lernt Kirchner seine langjährige Lebensgefährtin Erna Schiling (1884-1945) kennen. Der Abzug einer intimen Szene eines nackten weiblichen Aktes, neben einer Lampe beim Lesen sitzend, entsteht in der Berliner Zeit, wohin Kirchner zur Belebung seines künstlerischen Erfolgs ab 1912 zieht. Mit sicherem Strich und nun unruhigeren zackigeren Linienführungen fängt Kirchner diese Atelierszene ein. Im Gegensatz zu der Aktmalerei an den damaligen Kunstakademien setzen sich die Vertreter der Brücke für eine freiere Aktdarstellung ein.

Sie trafen sich abwechselnd in ihren Wohnungen, wo sie lebten und arbeiteten. Ihr zentrales Thema ist der nackte Mensch in freier Bewegung im Raum oder in der Natur. Sie wollten das reale Leben festhalten, ohne Verfälschungen.
Die vorliegende Lithographie entsteht auch unter dem Einfluss der sogenannten Viertelstundenakte, jenen Zeichnungen, die in 15 Minuten von den Brücke-Freunden im Atelier ausgeführt wurden. Das vorliegende Blatt ist ein schönes Beispiel dieser zwanglosen Zeit.