Emil Nolde

Marschlandschaft mit hohen grauen Wolken

Details

Die Arbeit ist in der Nolde-Stiftung, Seebüll, unter der Verz.-Nr. „A.Frend.1185“ registriert.

Ausstellung:
Emil Nolde. Aquarelle aus Bielefelder Privatbesitz, 1967, Kat.-Nr. 18;
Emil Nolde. Aquarelle und figürliche Radierungen, Westfälisches Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte, Münster 1991/92, Kat.-Nr. 44, mit Farbabb. S. 125.

Provenienz:
Nolde-Stiftung, Seebüll;
Galerie Alex Vömel, Düsseldorf;
Privatsammlung, Bielefeld, 1966 bei Vorgenannter erworben;
Grisebach, Berlin 7.6.2002, Los 52;
Privatbesitz, Süddeutschland.

Beschreibung

1927 lässt sich Nolde mit seiner Frau Ada auf der erhöht liegenden Warft von Seebüll in Nordfriesland nach eigenen Entwürfen ein neues Wohn- und Atelierhaus bauen. Bis in die frühen 1930er Jahre entstehen eine Reihe von großen Marschlandschaften, die die neue Umgebung mit ihrer Topographie und ihrem weiten Himmel festhalten. Diese Werke sind heute unangefochtene Meisterwerke im Œuvre Emil Noldes. Intensive wie expressive Farbigkeit und ganz unterschiedliche Atmosphären und Stimmungen zeichnen sie aus.

Unser Aquarell wird vor allem von einem dramatischen, fast schon bedrohlichen Himmel mit schweren, blaugrauen Wolkenbänken eingenommen. Ein heller Streifen gelben Sonnenlichts über dem Horizont mildert die düstere Szenerie ab und verspricht besseres Wetter. Ganz unten, im Hintergrund, sehen wir einige Gebäude, rechts ein rotes Bauernhaus mit lang gestrecktem Dachfirst auf einer sattgrünen, vor Feuchtigkeit dampfenden Wiese.

Die Intensität von Noldes Marschlandschaften weist deutlich auf seine große Liebe zur Natur und das abgeschiedene Leben hin, das er für sich und seine Frau Ada immer wieder sucht. Trotz seines intensiven Austauschs mit anderen Künstlerkollegen und künstlerischer Anerkennung, flüchtet Nolde in die Einsamkeit der von ihm so sehr geliebten Natur. Nolde ist kurzzeitig sogar Mitglied in der Künstlervereinigung ‚Brücke‘ und besitzt über viele Jahre auch in Berlin ein Atelier . Er löst sich jedoch alsbald wieder von der Künstlergemeinschaft und geht seine eigenen Wege. In seinen einsamen Bildwelten durchlebt der Betrachter diese Trennung von der Großstadt und die intensiver werdende Hinwendung zur Natur. Nolde steigert die imposanten Sinneseindrücke mit extremer Farbigkeit, die die Natur zu überhöhen scheint. Im Laufe der Jahre bereitet er der reinen Aquarellfarbe und dem Zusammenspiel der lavierenden Farben immer mehr Raum und beschränkt seine zeichnerischen, figurativen Eingriffe auf wenige Linien. Nolde löst sich hierdurch weiter von jedweder Bindung an diesseitige Lebenswelten, womit er nicht zuletzt auch einen Einblick in sein Seelenleben preisgibt. Martin Urban schreibt: „So sind auch seine Landschaftsbilder – nun ganz im Sinne der romantischen Landschaftskunst eines Caspar David Friedrich – nicht bloße Stimmungsbilder, sondern wahre ‚Seelenlandschaften‘, freier und unmittelbarer Ausdruck des künstlerischen und menschlichen Erlebens.“ (Martin Urban, Emil Nolde-Landschaften: Aquarelle und Zeichnungen, Köln 1969, S. 7).