Details

Provenienz:
Annina Nosei Gallery, New York, verso mit dem Etikett;
Sotheby’s, New York 10.10.1985, Los 106.

Beschreibung

Umringt von Totenköpfen, in rhythmischen Bewegungen, tanzt die hinduistische Göttin des Todes „Kali“ auf Karl Horst Hödickes großformatiger Leinwand. Hödicke malt mit heftigem Gestus in einer ihm eigenen leuchtend-expressiven Farbigkeit. Er entwickelt seine Figurationen immer unmittelbar, ohne Vorzeichnung, ohne Konturen-Absicherung, aus dem offenen, erprobenden Malprozess.
Bei seinen Reisen begegnet der in Westberlin lebende Maler, der vor allem für seine Großstadtmotive bekannt ist, ungewöhnlichen Lebensweisen, fremden Ritualen und Mythen. Die Eindrücke sind stark, aber es ergaben sich daraus weniger Bilder als Fragen; Fragen, die Hödicke nach Hause mitbringt; Fragen danach, wie das Spirituelle und die Mythologie in unserer historischen, europäischen Kunst aufgegriffen und zur Form gebracht werden.
In dem Gemälde „Schlangenbeschwörerin“ von Henri Rousseau findet er das Fremde im Gewand des europäischen Selbstverständnisses. Das ist es, was er ständig suchte: Das Fremde im Hiesigen, das Unvertraute im Vertrauten. Aus diesen Inspirationen wird Kali, die Hödicke mehrfach malte, zu seinem Dämonen bekämpfenden Motiv.
Die Annina Nosei Gallery, die Arbeiten Hödickes 1981 und 1983 ausgestellt hat, war Anfang der 1980er Jahre maßgeblich daran beteiligt, das Werk einer neuen deutschen Malergeneration in den New Yorker Kunstmarkt einzuführen.
Die junge Generation von Berliner Malern, der neben Hödicke auch Bernd Koberling und Markus Lüpertz angehörten, begehrten mit provozierend realistischen Bildern gegen das erstarrte Diktat der Gegenstandslosigkeit auf und setzten einen dynamischen und unverbrauchten zeitgenössischen Neo-Expressionismus dagegen. Fortan drückte Hödicke mit seinem Schaffen, welches in zahlreichen internationalen Retrospektiven gewürdigt wurde, der Berliner Kunstszene seinen Stempel auf.