Georg Schrimpf

Blick vom Schwarzwald auf das Rheintal und die Vogesen

Details

Präger 1936/4 (S. 229).

Literatur:
Kroll, Bruno, Deutsche Malerei der Gegenwart, Berlin 1937, Abb. S. 102.

Ausstellung:
Georg Schrimpf, Gedächtnis-Ausst., Galerie Günther Franke, München 1939;
Georg Schrimpf. Ölbilder. Aquarelle, Galerie Nikolaus Fischer, Frankfurt 1992, Kat.-Nr. 16, mit farb. Abb., verso auf dem Keilrahmen mit dem Etikett.

Provenienz:
Privatbesitz, Bayern, seit 1936, direkt beim Künstler in Auftrag gegeben.

Beschreibung

Georg Schrimpf, der zu den Hauptvertretern der Neuen Sachlichkeit zählt und Autodidakt war, beginnt schon als Kind zu zeichnen. Doch trotz seiner Begabung wird er vom Elternhaus nicht unterstützt, sondern muss zunächst eine Bäckerlehre absolvieren, die er 1905 abschließt. In dieser frühen Zeit schließt er Freundschaft mit Oskar Maria Graf, der später einer seiner ersten Fürsprecher werden soll. Zeitlebens bleiben sie freundschaftlich verbunden.
Mit der Übersiedlung 1915 nach Berlin beginnt Schrimpf verstärkt seiner künstlerischen Berufung zu folgen und findet dort u.a. mit Herwarth Walden einen Unterstützer. Auch in den Zeitschriften „Die Aktion“ und „Der Sturm“ erhält er die Möglichkeit u.a. seine Holzschnitte zu publizieren. Zu seinen weiteren Förderern zählen auch Franz Roh und Werner Haftmann. Seine Beachtung und Anerkennung entwickelt sich so zusehends.
1917 heiratet er die Malerin und Grafikerin Maria Uhden und zieht mit ihr nahe München, doch Maria stirbt bereits 1918 nach der Geburt des gemeinsamen Sohnes.
Rege Ausstellungen und Beteiligungen u.a. in der Galerie Neue Kunst, mit der Novembergruppe und der Neuen Sezession, folgen in den nächsten Jahren und Schrimpfs größere Beliebtheit führt u.a. von 1926 bis 1933 zu einer Lehrtätigkeit an der Münchner Kunstgewerbeschule. Von 1933 bis 1937 lehrt er an der Staatlichen Hochschule für Kunsterziehung in Berlin. Zudem wird er Mitglied des Deutschen Künstlerbundes und nimmt u.a. auch an der letzten DKB-Jahresausstellung im Hamburger Kunstverein teil.

Schrimpfs Œuvre ist motivisch vor allem geprägt von Figurenbildern, Stillleben und reinen Landschaftsdarstellungen. Vor allem bei den zuletzt genannten Motiven fängt Schrimpf ganz besondere Stimmungen ein. Er zeigt dem Betrachter Seen, Ausblicke und Ansichten vor allem des nahegelegenem Umland Münchens wie beispielsweise das Fünfseenland mit Staffelsee und Chiemsee. Doch auch Stadtansichten wie Pasing oder auch auf dem Lande bzw. die freie Natur, wie hier der Schwarzwald, hält der Maler eindrucksvoll und mit klaren Umrisslinien und auskomponierten Farbverläufen in feinstem Farbauftrag fest. Anregungen hierfür findet er immer wieder auf seinen Ausflügen und Reisen durch seine süddeutsche Heimat, teils auch mit dem Fahrrad, die er mit seiner zweiten Frau Hedwig unternimmt.
Unser ausgewöhnlich großformatiges Gemälde gibt, von einem erhöhten Standpunkt aus gesehen, dem Betrachter den Blick vom Schwarzwald auf das Rheintal und die dahinterliegenden Vogesen frei. Die dortige Gegend mit seinen Bergen, Hügeln und Wäldern führt Schrimpf in schönen satten Grünabstufungen aus. Im unmittelbaren Vordergrund sehen wir eine blühende Wiese mit gelben Blumen des Frühjahrs. Das frische Grün der Laubbäume setzt sich noch von den im dunkleren Grün gehaltenen Nadelbäumen ab. Schrimpfs Intention ist es den weiten Blick auf das Rheintal aufzuzeigen. Der Betrachter hat fast das Gefühl, das die Ebene endlos ist. Diese Wirkung verstärkt Schrimpf noch mit dem zarten Dunst, der noch über dem Tal liegt. Der Tag scheint erst zu erwachen und die morgentliche Feuchte liegt über dem Land. Alles liegt noch in einer Ruhe und Unberührtheit bevor das Leben erwacht. Schrimpf fängt diese besondere Stimmung eindrucksvoll ein.