Erich Heckel

„Gelbes Stilleben“

Details

Nicht bei Vogt; Hüneke 1918-15.

Ausstellung:
Sonderausstellung Erich Heckel. Gemälde. Grafik, Kestner-Gesellschaft, Hannover 1919, Kat.-Nr. 57;
Erste Ausstellung zeitgenössischer deutscher Kunst, Krefelder Kunstverein im Kaiser Wilhelm Museum, Krefeld 1920, Kat.-Nr. 10.

Provenienz:
Klaus Gebhard, Elberfeld (1919);
Erich Heckel, Hemmenhofen/Berlin (Tausch, um 1931); Galerie Alex Vömel, Düsseldorf (1948);
Karl Reuss, Moers (1948);
Lempertz, Köln 28.5.2009, Los 76;
Hampel, München 4.12.2009, Los 769;
Privatbesitz, München;
Karl & Faber, 5.6.2014, Los 544;
Privatbesitz, Süddeutschland.

Beschreibung

Verso auf dem Keilrahmen handschriftlich bezeichnet „Reuss“ sowie mit der Nummer „C 6902“ und einem typographischen Etikett mit der Nummer „126“.

Erich Heckel lässt sich zu Beginn des Ersten Weltkriegs zum Sanitäter ausbilden und wird glücklicherweise in einen Sanitätstrupp der Krankensammelstelle Ostende eingeteilt, den der Berliner Kunsthistoriker Walter Kaesbach leitet. Kaesbach gelingt es tatsächlich, zahlreiche befreundete Künstler durch die Aufnahme in den Sanitätsdienst vor dem direkten Fronteinsatz zu bewahren. Neben Heckel gehören unter anderen auch Max Beckmann und Heinrich Nauen dazu. Die Diensteinteilung erlaubt es den Künstlern, weiterhin malerisch und zeichnerisch tätig zu sein und der Aufenthalt in Flandern schlägt sich wiederholt in ihren Motiven nieder.
Zu jener Zeit, 1914, wechselt Erich Heckel bei seinen Gemälden von Ölfarbe zu selbst zubereiteten Temperafarben, der sogenannten „Ersten-Weltkriegs-Tempera“ aus Kasein, und experimentiert auch mit Leimfarben und Eitempera. Bis etwa 1919/1920 behält er diese Technik bei. Von ihm selbst gibt es keine Äußerungen dazu, was ihn zu dieser Änderung veranlasst hat. Anzunehmen ist, dass während der Kriegszeit die Beschaffung von handelsüblichen Malmaterialien und insbesondere von Ölfarben erschwert war. Doch vermutlich ist der eigentliche Auslöser für die Hinwendung zur Temperamalerei ein gänzlich anderer: Heckel besucht während seiner Zeit in Flandern das Museum in Brüssel, wo ihn vor allem das Gemälde „Landschaft mit dem Sturz des Ikarus“ (auch „Der Ackersmann“) von Pieter Bruegel dem Älteren tief beeindruckt. Der Künstler Max Kaus, gemeinsam mit Heckel Sanitätssoldat unter Kaesbach, berichtet später dazu: „Die Tafel ist in Tempera gemalt, hell und ungefirnißt präsentiert sie sich so, als wäre sie eben gemalt (…). Heckel liebte dieses Bild sehr. (…) Ich bin überzeugt davon, daß der Anblick viel dazu beigetragen hat, daß sich Heckel immer mehr in Temperamalerei ausdrückte, in Eitempera sowohl wie in Kaseintempera.“ (Max Kaus, Mit Erich Heckel im Ersten Weltkrieg, in: Brücke-Archiv, H. 4 (1970), S. 514).
Heckel malt in diesen Kriegsjahren neben zahlreichen Landschaften auch regelmäßig Blumenstillleben wie das vorliegende. Hier gestaltet er die Blumen mit transparent lasierenden Temperafarben besonders zart und klein, sodass sie fast schon altmeisterlich wie bei Bruegel erscheinen. Das gesamte Arrangement mit den transparenten Glasvasen, die sich in der glatten Tischplatte spiegeln, und dem feinen, gelbgrünlichen Vorhangstoff, der wiederum die Farben der Blumen aufnimmt, vermittelt dem Betrachter ein wohliges Gefühl des Ephemeren. Heckel kehrt somit sichtbar zurück zum Urthema des Blumenstilllebens als Symbol der Vergänglichkeit und Verletzlichkeit des Lebens, das er während der Kriegszeit sicherlich intensiver denn je erlebte.