Henri Manguin

La Rivìere de Longchamp

Details

Manguin 307.

Ausstellung:
Manguin, Galerie E. Druet, Paris 1910, Nr. 21, mit Abb.

Provenienz:
E. Druet, Paris, 1909 direkt beim Künstler erworben;
Perls Galleries, New York 1910, Nr. 3594, verso auf dem Keilrahmen mit dem Etikett;
Sammlung, New York 1974;
Karl & Faber, 25.5.1974, Los 1171, mit s/w Tafel 106;
Privatsammlung, Bayern, seit 1974.

Beschreibung

Henri Manguin bricht schon früh die Schule ab, um sich ganz der Malerei zu widmen. 1894 nimmt ihn Gustave Moreau in seinem Atelier auf, wo Manguin zusammen mit Matisse und Marquet seine weitere Ausbildung genießt. 1899 heiratet er sein bevorzugtes Modell, Jeanne Carette, und in den folgenden drei Jahren bekommt das Paar zwei Söhne. Unter dem Einfluss von Cézanne und van Gogh werden Manguins Werke immer farbfrischer. 1902 stellt er erstmals im Salon des Indépendants aus und nach einem Aufenthalt in Saint-Tropez 1905 finden seine Arbeiten in einer Ausstellungsbeteiligung im Salon d’Automne ihren anerkennenden Höhepunkt. Es folgt ein Jahr später der Kontakt mit Ambroise Vollard, der ein großes Konvolut an Werken des Malers erwirbt.
Nun folgen Reisen mit u.a. Marquet nach Italien und in die Bretagne und Normandie, wo vor allem die dortigen Häfen Manguin faszinieren. 1909 bezieht er schließlich ein Haus in Neuilly-sur-Seine. 1910 folgt dann seine erste Einzelausstellung in der damals bekannten Galerie Druet in Paris. Auch unser Werk war in dieser Ausstellung präsent.
Im vorliegenden Gemälde „La Rivière de Longchamp“ blickt der Betrachter auf einen kleinen Flusslauf mit Schatten spendenden großen Bäumen und satten Wiesen. Rechts im unteren Bildteil sitzen drei Figuren unter einem Baum am Ufer. Vielleicht beim Rasten, oder ist es eine Flucht vor der Hitze unter die großen Bäume? Vielleicht sind es auch Wäscherinnen, die ihrer Arbeit nachgehen? Man weiß es nicht. Manguin hält diesen Moment in einer sehr ausgewogenen luftigen Art fest. Das Bild ist in hellen Grün- und Blautönen gehalten. Die sommerliche Stimmung unterstreicht er mit hellen gelben Flächen, die er vor allem im rechten unteren Bildteil ausführt. So erhält die Landschaft eine Leichtigkeit, die mit dem hellblauen Himmel weitere Unterstützung findet. Nur wenige dunkle Pinselstriche geben der Komposition Halt. Das Ganze strahlt eine große Ruhe aus und lässt den Betrachter im Geschehen verweilen.
Nach Aufenthalten in der Schweiz (bis 1919) kehrt der Künstler und seine Familie nach Neuilly-sur-Seine zurück, später lebt er in der Villa L’Oustalet in Saint-Tropez. 1940 nimmt er an der Biennale in Venedig teil und stirbt schließlich kurz nach dem Umzug 1949 in Saint-Tropez.