Günter Brus

„Bestattung im Eigenblut“

Details

Literatur:
Amanshauser, Hildegund (Hrsg.), Günter Brus: Der Überblick, Salzburg 1986, Kat.-Nr. 75, mit ganzs. Abb. S. 125.

Ausstellung:
documenta VII, Kassel, 1982.

Provenienz:
Galerie Heike Curtze, Düsseldorf;
Privatbesitz, Süddeutschland.

Beschreibung

1982 war „Bestattung im Eigenblut“ zusammen mit 8 weiteren Bild-Dichtungen aus dem Jahr 1981 – darunter „Die rote Tödin“ und „Richtungsweisende Ziellosigkeit“ – auf der documeta 7 im Obergeschoss des Fridericianums ausgestellt.
Die gesamte Werkserie spiegelt nicht nur motivisch, sondern auch durch die Titel das radikale Körperverständnis von Günter Brus wider. In den Bild-Dichtungen verbinden sich narrative Elemente mit einer gestisch-expressiven Bildsprache und sie stehen in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Werkkomplex der frühen Performances – allen voran der legendären „Zerreißprobe“ 1970. Radikalität und Unbedingtheit der frühen Aktionen sind künstlerische Haltung und finden sich auch in den literarischen Zeichnungen. Gewalt und Leidenschaft, Entgrenzung und Albtraum, Stillstand und hysterische Körperchoreographie: In seinen Bild-Dichtungen verschmelzen sie zu einem großen Ganzen. Oft tritt Brus dabei in einen inneren Dialog mit Künstlern anderer Jahrzehnte bzw. Jahrhunderte. William Blake, Alfred Kubin und Francisco de Goya sind Namen, die in diesem Kontext zu nennen wären. In „Bestattung im Eigenblut“ treten koboldartige, glotzäugige Gestalten, Erdgeister und im Zentrum ein Wesen, das wie ein transparenter Außerirdischer von einem riesigen Kanarien-Vogel in die Lüfte getragen wird, auf. Lediglich der titelgebende begleitende Satz, der sich wie immer bei Brus durch eine Mischung aus Witz, Satire und Ironie auszeichnet, könnte einen Hinweis auf eine Deutung dieser traumhaften Sequenz geben.