Christian Rohlfs

Haus im Maggiatal

Details

Vogt 1933/22.

Literatur:
Galereie Neher (Hrsg.), Christian Rohlfs und seine Zeit. Gemälde, Wassertempera, Graphik, Essen 1999, mit Abb.

Provenienz:
Nachlass des Künstlers, verso mit dem Stempel (vgl. Lugt 2143a);
Galerie Neher, Essen, 1998;
Privatsammlung, Deutschland.

Beschreibung

Verso von fremder Hand betitelt „Haus am Maggiatal“, datiert „1933“ sowie bezeichnet „n. ausstellen“, „F.XXXI.4“ und „33/22“ (diese Nummerierung stammt von Paul Vogt, dem Nachlassverwalter Rohlfs). Außerdem verso unten links von der Witwe Helene Rohlfs über dem Nachlassstempel signiert („Frau Christian Rohlfs“).

Ab 1927 wohnt Rohlfs, nun schon fast achtzigjährig, jedes Jahr von Frühjahr bis Herbst in Ascona im Schweizer Kanton Tessin. Immer wieder malt er die Bauernhöfe in den Bergtälern der Verzasca, der Maggia und im Bosco, nördlich des Lago Maggiore. Bei Streifzügen durch diese Gegenden macht er sich keine Skizzen, sondern prägt sich ihr Bild lediglich durch intensives Betrachten ein. Zudem fotografiert seine Frau Helene die typischen Bauwerke als mögliche Motive für seine Malerei. Aus diesem Bestand und seiner Erinnerung wählt der Künstler seine Vorlagen, die malerische Umsetzung findet im Atelier statt. Hier entstehen farbintensive Arbeiten, Blätter voller Transparenz und Leichtigkeit, durchdrungen von mediterranem Licht.

Unser Bild zeigt ein Haus im Maggiatal. Auf schwerem Malbütten trägt Rohlfs zuerst die Wassertempera in den reinen Farben des lichten Blau, warmen Gelb und erdigen Braun leuchtend auf. Danach reibt er die aufgetragene Farbe mit einem harten Pinsel und einer Bürste und dem Wasserstrahl einer Handbrause wieder ab, sodass das Papier durchschimmert und das alte Bauernhaus hell und leicht erscheint, als sei es in flirrendes Sonnenlicht getaucht. Die luzide Technik der Aquarell- und Temperamalerei wird hier durch das Abschaben der Farbe noch durchscheinender und erlaubt es Rohlfs, das Dargestellte zunehmend zu entmaterialisieren. Lediglich der geometrisierende Umriss des Hauses und die zu einem Farbteppich verwobenen breiten Hiebe und kurz gebürsteten Striche setzen Akzente. Sie lassen Balkone, Fenster und Türen erahnen. Das kompositorische Zentrum des Bildes bildet das wie zufällig über die Brüstung des Balkons gehängte weiße Tuch. Genau in der optischen Mitte des Bildes gelegen, wird es gleichsam zum Ort der Entstofflichung, in dem sich sogar die Farbe verflüchtigt.

Das vorliegende, großformatige Werk ist ein typisches Beispiel für die lichterfüllte Phase Rohlfs’ zwischen 1930 und 1934, die den krönenden Abschluss seines Spätwerks darstellt.