Nicolaes van Veerendael

Blumenbouquet mit Rosen und Tulpen in steinerner Nische

Details

Literatur:
Ausst. Kat.: Blumen und Gärten in Gemälden aus drei Jahrhunderten, Folkwang-Museum, Essen, 1938 (mit Abb.);
Ausst.Kat.: Gemälde des 16. bis 19. Jahrhunderts, Handzeichnungen, Plastik, Galerie Hans Bamman, Düsseldorf, Herbst 1938.

Provenienz:
Arcade Galleries, Manchester, verso auf dem Keilrahmen mit dem Galerie-Aufkleber;
G. Farrow, Carlton House, Regent St, London;
Christie’s, London, 22.6.1936, Los 93 (als Ruysch), verso auf dem Keilrahmen mit der schablonierten Einlieferungsnummer 805 GG, die G. Farrow zugeordnet ist;
auf der Christie’s–Auktion erworben von Collings;
Kunsthandlung Hans Bamman, Düsseldorf (1938);
dort vom Vater des jetzigen Besitzers erworben;
seitdem Privatsammlung, Rheinland.

Beschreibung

Das kunstvoll in lockerer Symmetrie arrangierte Bouquet ist nach Fred Meijer ein charakteristisches Werk des Künstlers. Es zeigt Blumen aus allen Jahreszeiten gleichzeitig, Rosen, Tulpen, Anemonen, Schwertlilie, Ackerwinden, aufgehängt an einem Haken im Scheitel einer steinernen Nische. Die Auswahl belegt, dass es sich nicht um einen real vorhandenen, abgemalten Blumenstrauß handelt, sondern um die Komposition eines gemalten Inventares eines zeitgenössischen botanischen Gartens. Kompositionell genau austariert sind einfache Wildblumen kostbaren Zuchtformen gegenübergestellt. Mit feinster Beobachtungs- und Empfindungsgabe und höchster technischer Brillanz erfasst der Künstler die natürliche Erscheinungsform der Blumen. Drei rosafarbene Zentifolien-Rosen bilden das Herz des Straußes, eine vierte, fast schon verblühte weiße Rose ist von hinten zu sehen. Die wertvollsten Blumen, die geflammten Tulpen mit cremefarbenem Grund und zinnoberroten und dunkelmalvenfarbenen Streifen sowie eine blaue Schwertlilie, sind so eingesteckt, dass ihre Blüten nicht nach unten zeigen, wie es dem kopfüber aufgehängten Arrangement entsprochen hätte, sondern in radialer Anordnung nach oben weisen. Wie Sterne leuchten die weißen Blütenköpfe des Jasmins aus dem Dunkel heraus, einen kräftigen Farbakzent setzen die roten Anemonen.
Das dekorative Arrangement beinhaltet jedoch auch eine Vanitasthematik, deren Symbolwert dem zeitgenössischen Betrachter wohlvertraut war. Blumenstillleben waren als Sinnbilder kurzlebiger Schönheit mit dem Gedanken an die Vergänglichkeit der Dinge verknüpft.

Nicolaes van Veerendael zählt zu den hochspezialisierten Künstlern seiner Zeit, die viele Aufträge von den wohlsituierten Kaufleuten Antwerpens erhielten. Im Jahr 1657 wurde er schon früh Mitglied der St.-Lukas-Gilde seiner Stadt. Neben der Produktion seiner eigenständigen Stillleben ist für ihn auch die Zusammenarbeit mit dem führenden Antwerpener Stilllebenmaler Jan Davidsz. de Heem belegt: In der Alten Pinakothek in München hängt ein von beiden signiertes, gemeinsames Werk „Stillleben mit Blumenstrauß, Kruzifix und Totenkopf“ (Inv. Nr. 568), für das Veerendael das Blumenbouquet, de Heem die übrigen Partien ausführte.

Wir danken Dr. Fred Meijer, Amsterdam, für die freundliche Bestätigung der Authentizität auf Grundlage einer digitalen Fotografie (E-Mail vom 10.12.2020).