Hendrik van der Borcht d. Ä.

Strauß mit Tulpen, Schachbrettblume und Narzissen in einer Silbervase

Details

Provenienz:
Koller, Zürich, Auktion, 19.9. 2008, Los 3116 (als Georg Flegel (Umkreis);
Europäische Privatsammlung.

Beschreibung

In einer bauchigen Silbervase mit getriebenen Ranken ist ein Bouquet aus leuchtend bunten Zucht- und Wildblumen auf einer Tischplatte zu sehen. Es wird bekrönt von einer weiß-rot geflammten Tulpe, die auf der Mittelachse angeordnet ist. Die Darstellung folgt einer Tradition, wie sie von den Flamen Ambrosius Bosschaert, Jacob Hoefnagel und Georg und Jan Theodor de Bry vorgebildet worden war. In deren Blumenstücken sind unterschiedliche Blumen aus verschiedenen Jahreszeiten gleichzeitig blühend zu sehen. Sie repräsentieren neben ihrer Pracht die botanische Vielfalt.

Bilder von Hendrik van der Borcht I. sind auf dem Auktionsmarkt eine große Rarität. Von ihm haben sich nur einige wenige Gemälde, meist Stillleben mit Blumen oder mit antiken Statuetten und Münzen erhalten. Fred Meijer kennt insgesamt nur drei Blumenstücke von ihm, einschließlich unseres Bildes, das er als das zuletzt entstandene der Gruppe datiert. Der humanistisch gebildete Künstler war als Maler, Stecher und Medailleur tätig und besaß eine umfangreiche Kollektion von antiken und zeitgenössischen, in Italien erworbenen Sammelstücken, zu der die kostbare Vase auf unserem Bild wohl gehörte. Thomas Howard, 21st Earl of Arundel , ließ sich 1613 nicht die Gelegenheit entgehen, Hendik van der Borchts viel gerühmte Sammlung anzusehen.
Hendrik van der Borcht entstammte einer alten angesehenen Familie aus den Niederlanden, die 1586 im Zuge der heftigen religiösen Auseinandersetzungen ihre Heimatstadt Brüssel verlassen musste und sich in Deutschland angesiedelt hatte. 1597 ist er in Frankenthal nachweisbar, in einer Kolonie von Glaubensflüchtlingen in der Kurpfalz, denen Kurfürst Friedrich III. eine neue Heimat geboten hatte. Dieser Aufenthalt prägte ihn stark, dort kam er in regen Kontakt und Austausch mit zahlreichen Künstlern, Malern, Gold- und Silberschmieden, Juwelieren, die zu seiner Familie in freundschaftlicher oder verwandtschaftlicher Beziehung standen. Nach einer Lehre bei dem aus Antwerpen stammenden Gillis van Valckenborch in Frankfurt hielt er sich zwischen 1604 und 1610 für einen längeren Studienaufenthalt in Italien, meist Rom auf. Dort bildete er sich zu einem Experten für die Antike (Epigraphik und Numismatik) fort. Wir haben es mit einem gebildeten, sehr selbstbewussten Künstler zu tun, der mehrere Sprachen (Niederländisch, Deutsch, Latein und Italienisch) sprach und für den Hof in Heidelberg wie auch die Stadt Frankenthal und in späteren Jahren auch in Frankfurt tätig war.
Werke von Hendik van der Borcht I. befinden sich heute in der Eremitage in St. Petersburg, im Historischen Museum in Frankfurt und der Biblioteca Nacional de España in Madrid.

Wir danken Dr. Fred Meijer, Amsterdam, für die Bestätigung der Authentizität des Gemäldes. (E-Mail vom 27.4.21)