Details

Die vorliegende Arbeit ist im Archiv Georg Baselitz, München, unter der Nummer GB/M 1993.05.17 registriert.
Wir danken dem Archiv für die freundliche Auskunft.

Provenienz:
Benjamin Katz;
Privatsammlung, Süddeutschland.

Beschreibung

Georg Baselitz „Rude“ ist die Neufassung eines Werkes mit dem Titel „2. Kopf“ aus dem Jahr 1966. In unzähligen malerisch dichten Überlagerungen gibt die großformatige Leinwand „Rude“ eindrucksvoll Zeugnis von einer Arbeitsweise, die Baselitz Œuvre im Kern ausmacht: Das ständige Überdenken, Überarbeiten und Wiederaufgreifen eigener, früherer Bildfindungen. Der ursprüngliche Kopf entstand noch vor 1969, als der Künstler mit „Dem Wald auf dem Kopf“ das Sujet von seiner bildbeherrschenden Aussage befreite und es umkehrte. „Rude“ besitzt nicht weniger als drei Datierungen, es ist zwischen April 1992 und Mai 1993 entstanden. In drei Schichten üppiger Pinselarbeit formuliert Baselitz den Kopf dichter, schneller, leichter und stellt ihn auf den Kopf. Auf diese Weise hat Baselitz in den ersten Jahren des neuen Jahrtausends die prominentesten Motive seiner langen Karriere umfangreich nochmals aufgegriffen. Das Ergebnis ist eine seiner bedeutendsten Werkgruppen mit dem Namen „Remix“, „Rude“ ist ein Vorläufer davon. Gewidmet ist das Werk Baselitz’ engem Weggefährten Benjamin Katz. Katz und Baselitz haben sich bereits Ende der 1950er Jahre in Berlin kennengelernt. In der neugegründeten Galerie Werner & Katz fand 1963 die skandalumwitterte erste Einzelausstellung des Malers statt, die mit dem Eingreifen der Staatanwaltschaft und der Konfiszierung seines Gemäldes „Die große Nacht im Eimer“ endete. Benjamin Katz kehrte dem Kunsthandel bald den Rücken, um sich ausschließlich der Fotografie zu widmen. Der Kunst und vor allem den Künstlern bleibt er jedoch eng verbunden. Seine Porträts von Künstlern bei der Arbeit schreiben inzwischen selbst Kunstgeschichte, so stammen zum Beispiel die letzten Zeugnisse von Blinky Palermo aus seinem Atelier von Katz. Kurz nachdem die Aufnahmen entstanden sind, reiste Palermo zu den Malediven ab, wo er verstarb. Die enge Verbundenheit mit Georg Baselitz jedoch ist einzigartig. Der Fotograf begleitet ihn nun schon seit mehr als 50 Jahren ins Atelier und prägte damit das Bild des Künstlers bei der Arbeit: die kollektive Vorstellung davon ist gesehen durch das Auge von Benjamin Katz.