Details

Wir danken der Dieter Roth Foundation, Hamburg, für die freundliche Auskunft bei der Katalogisierung dieses Werkes.

Ausstellung:
Ausstellung Ulmer Museum, 1974, S. 80, mit s/w Abb. S. 81.

Provenienz:
Galerie Müller, Köln;
Privatsammlung, Baden-Württemberg, 1972 bei Vorgenannter erworben, im Erbgang an die heutigen Besitzer.

Beschreibung

Dieter Roth war als bildender Künstler und Büchermacher, als Musiker und Filmemacher, als Dichter und Autor, als Kommunikator und Vermittler einer der wenigen Universalkünstler der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Wie kaum ein anderer praktizierte er die konsequente Durchdringung von Leben und Kunst aus einer inneren Notwendigkeit heraus. Grundimpuls seines Schaffens war sein existentielles Verständnis von Zeit als Inbegriff und Ausdruck von Zufall, ständigem Wandel und Vergänglichkeit. Bereits in den frühen 1960er Jahren beginnt Dieter Roth mit verderblichen Materialien wie Brot, Schokolade und Käse zu arbeiten und kalkuliert deren vorhersehbaren Verfall in seinen Materialinstallationen gewollt mit ein. Dabei nimmt der Künstler auf den Verlauf des sukzessiven Zerfalls von organischem Material ganz bewusst Einfluss. Schimmel und Schädlingsbefall sind Roth willkommene Helfer: erst durch sie werden die Werke vervollständigt und gewissermaßen einem natürlichen Endzustand zugeführt. Das großformatige „Schokoladenrennen“ von 1969 veranschaulicht das auf herausragende Weise: In totaler Befreiung von formalen Konventionen hat Roth flüssige Schokolade zentimeterdick als zähe Masse auf Karton geschüttet. Heute – mehr als 50 Jahre später – ist die Schokoladenmasse der Schwerkraft und ihrer Konsistenz folgend, zum Großteil abgesackt und liegt als Schokoladen-Sediment am unteren Bildrand. Genau so, wie Dieter Roth sich das als Beitrag zum Diskurs von Werden und Vergehen vorgestellt hätte.