Johann Georg von Dillis

Partie im Englischen Garten

Details

Provenienz:
Aus dem Nachlass des Künstlers;
Sammlung Einsele Nr. G 29, verso mit dem Stempel (nicht bei Lugt);
Karl & Faber, München, Auktion 198, 30.11.1999, Los 191;
Privatbesitz, Deutschland.

Beschreibung

Johann Georg von Dillis lebte zu gleichen Teilen in zwei Jahrhunderten; der 1759 in Gnaim geborene, im Jahr 1800 41jährige Künstler sollte noch weitere 41 Jahre im 19. Jahrhundert tätig sein. Es ist wichtig, sich diese Zeitspanne zu vergegenwärtigen, denn in dieser Zeit durchschreitet die Kunstgeschichte verschiedene Stilrichtungen – Spätbarock, Klassizismus, Romantik bis zum beginnenden Realismus. Doch welchem Stil ist Dillis zuzuordnen, gehört er nun dem 18. oder dem 19. Jahrhundert? Eine schlüssige Antwort auf diese Frage gibt es nicht, denn sein malerisches Werk verweigert sich einer Kunstgeschichte der Stile. Als Dillis um und nach 1800 zum führenden Maler Münchens aufstieg, war das übrige, protestantische Deutschland vom Geist der Romantik erfüllt – ein Geist, der das katholische München nur in Ansätzen gestreift hat. Hier konnte Dillis abseits der gedankenschweren Ernsthaftigkeit der Romantik ungestört und unabhängig seiner früh ausgeprägten Neigung zur Freilichtmalerei nachgehen, die durch Reisen noch im ausgehenden 18. Jahrhundert und zu Beginn des 19. Jahrhunderts nach Italien nicht nur durch die Begegnung mit dem französischen Maler Pierre-Henri de Valenciennes entscheidende Anregungen erhielt.
Zeitgenossen berichten, dass Dillis in München täglich einen Spaziergang machte, bevorzugt zur Praterinsel, aber auch in den kurz zuvor angelegten Englischen Garten, auf dem der passionierte Zeichner immer sein Zeichenmaterial mit sich führte. Auf diesen Spaziergängen entstanden auch zahlreiche Ölstudien mit unprätentiösen Motiven von der Praterinsel und aus dem Englischen Garten, wo wahrscheinlich unsere kleine, aus seinem Nachlass stammende Ölskizze zu lokalisieren ist. Auch hier ein unspektakuläres Motiv, in das Dillis den Betrachter führt: Auf dem erdigen, nur grob skizziertem Vordergrund, den wohl einer kleiner Teich teilt, erhebt sich rechts eine von luftigen Bäumen bewachsene, verschattete Kuppe. Die Bäume dagegen erscheinen im Licht, sind scharf ausgeleuchtet und durch helle Farbgrate betont. Sie kontrastieren mit einer dahinterliegenden Gruppe von Büschen und Bäumen, bei denen die Pinselzüge großflächiger, insgesamt summarischer werden. Über ihnen öffnet sich der Himmel, der nicht einfach nur blau ist; Dillis hat den Karton zuerst in einem Rosaton grundiert, der an verschiedenen Stellen durchscheint.
Dillis gibt keinen Ausblick, er präsentiert einen Einblick; er zeigt keine Komposition, er zeigt einen Ausschnitt der Natur; es ist keine Studie, die der Vorbereitung eines ausgeführten Werkes dienen sollte, es ist die autonome, freie Skizze eines Stücks Natur. Mit der Skizze betritt der Betrachter einen imaginären Erlebnisraum, der „nicht genau umschrieben ist und unserer Einbildungskraft mehr Freiheit gönnt“, wie bereits 1767 Denis Diderot treffend bemerkte. Mit solchen motivisch unscheinbaren Ölskizzen, von denen sich zahlreiche ähnliche in Museums- und Privatsammlungen befinden, nimmt der Betrachter an einem Abenteuer der Malerei teil, das noch heute seinen unwiderstehlichen Reiz auf uns ausübt. Mit diesen Ölskizzen, die alle um 1810/20 entstanden sind und das gleiche Format aufweisen, wurde Dillis zum Pionier der plein-air-Malerei in Deutschland.