Anton Graff

Bildnis des Adam Rudolph von Schönberg

Details

Literatur:
Vgl. Ekhart Berckenhagen, Anton Graff, Leben und Werk, Berlin 1967, Kat.-Nr. 1223.

Provenienz:
Privatbesitz, Norddeutschland.

Beschreibung

Ekhart Blankenhagen führt in seinem Werkverzeichnis der Gemälde Anton Graffs ein Bildnis Adam Rudolphs von Schönberg auf (Nr. 1223), das ihm allerdings offenbar nur aus einer Fotografie bekannt war. Graff muss es gleich nach seiner Ankunft 1766 in Dresden gemalt haben, denn bereits zu Beginn des Folgejahres war ein Bildnis Adam Rudolphs auf der Jahresausstellung der dortigen Akademie zu sehen (vgl. Neue Bibliothek der schönen Wissenschaften und der freyen Künste, Bd. 4, 1767, S. 171).
Geboren in Maxen bei Pirna, war Schönberg fünf Jahrzehnte bis zu seinem Tod 1795 Offizier am Sächsischen Hof, 1745 wurde er Oberhofmeister der verwitweten Herzogin von Kurland, als deren Testamentsvollstrecker er nach ihrem Tod 1760 fungierte. 1763 wurde er zum Generalpostmeister des Kurfürstentums Sachsen und 1771 zum Wirklichen Geheimen Rat im Ministerrang ernannt, doch war Schönberg nicht nur in der sächsischen Verwaltung tätig; er baute nach dem Siebenjährigen Krieg das Schloss Reichstädt südlich von Dresden, das 1717 durch Heirat in den Besitz der Familie Schönberg gekommen war, zu einer Barockanlage mit Park aus und erweiterte Schloss Purschenstein im Erzgebirge, in dem er auch zeitweise wohnte. Von dort stammt das erwähnte Bildnis, das heute verschollen und nur durch eine Fotografie bekannt ist. Soweit an der Fotografie erkennbar, entspricht unser Bildnis Adam Rudolphs dem bei Blankenhagen aufgeführten bis in die Einzelheiten – allerdings seitenverkehrt. Deshalb muss offen bleiben, ob es sich bei unserem Bildnis um das verschollene Porträt aus Schloss Purschenstein handelt.
Es zeigt den sächsischen Postmeister als Hüftbild, bekleidet mit einem roten Uniformrock, über den rechts der schwarze Mantel des Malteserordens mit dem Ordenskreuz ausgebreitet ist. Adam Rudolph trägt das Malteserkreuz auch auf der Brust an einem Bande, diesmal von einer Krone bekrönt. Graffs von den Zeitgenossen gepriesene Fähigkeit, in die Seele des Dargestellten hineinblicken zu können, zeichnet sich hier bereits ab: Das Gesicht hell ausgeleuchtet, legt Graff ein lebhaft bewegtes Antlitz offen, das in dem angedeuteten Doppelkinn und den Mund- und Augenfalten bereits erste Spuren des Alters zeigt. Adam Rudolph zeigt zwar die Insignien seines erworbenen Standes, doch begegnet er dem Betrachter wach und fürsorglich, vielleicht sogar mit einem leichten Anflug von Humor.
Von unserem Gemälde befand sich eine wohl nicht eigenhändige Kopie auf Schloss Reichstädt – allerdings als Oval -, wo es Teil einer Art Ahnengalerie der Familie Schönberg aus der Maxener Linie war (heute auf Schloss Nossen, frdl. Hinweis von Marion von Sahr-Schönberg). Ein weiteres, lebensgroßes Bildnis zeigt Adam Rudolph im Ornat des Malteserordens als stolzen Bauherrn vor der Kulisse von Schloss Reichstädt – es ist heute nur als Kopie in der Sammlung der Wellcome Collection in London erhalten (London, Wellcome Collection, Library no. 45805i), doch war es möglicherweise das Original, das Graff auf der Ausstellung der Akademie gezeigt hat. Der Anlass wäre angemessen gewesen, hatte Adam Rudolph doch erst im Jahr zuvor die Anlage von Schloss Reichstädt vollendet.