Günter Brus

„Jedwede Debilität beherbergt ein gewisses Unmass an intelligenter Schönheit.“

Details

Provenienz:
Galerie Heike Curtze, Salzburg;
Privatsammlung, Österreich.

Beschreibung

„Mein Körper ist die Absicht, mein Körper ist das Ereignis, mein Körper ist das Ergebnis.“ Günter Brus in: Günter Brus. Werke aus der Sammlung Essl, Klosterneuburg 1998, S. 13.

Die beiden Zeichnungen „Jedwede Debilität beherbergt ein gewisses Unmass an intelligenter Schönheit“ und „Die Lichtspielhölle“ aus dem Jahr 1996 spiegeln das radikale Körperverständnis von Günter Brus wider. Bild-Dichtungen wie diese, in denen sich narrative Elemente mit einer gestisch-expressiven Bildsprache verbinden, waren für Brus nie getrennt vom Werkkomplex der frühen Performances – allen voran die legendäre „Zerreißprobe“ 1970. Radikalität und Unbedingtheit der frühen Aktionen sind künstlerische Haltung und finden sich auch in den literarischen Zeichnungen. Gewalt und Leidenschaft, Entgrenzung und Albtraum, Stillstand und hysterische Körperchoreografie: In seinen Bild-Dichtungen verschmelzen sie zu einem großen Ganzen. Oft tritt Brus dabei in einen inneren Dialog mit Künstlern anderer Jahrzehnte bzw. Jahrhunderte. William Blake, Alfred Kubin und Francisco Goya sind Namen, die in diesem Kontext zu nennen wären. „Die Lichtspielhölle“ und „Jedwede Debilität beherbergt ein gewisses Unmass an intelligenter Schönheit“ werden dominiert von geisterhaften Gestalten, die wie Außerirdische aus dem Ungewissen auftauchen und rätselhaft bleiben. Lediglich die titelgebenden begleitenden Sätze, die sich wie immer bei Brus durch eine Mischung von Witz, Satire und Ironie auszeichnen, könnten einen Hinweis auf eine Deutung der traumhaften Sequenzen geben.
– Leichte Atelierspuren und unregelmäßige Kanten, kleine Knickspuren unten rechts, verso fast umlaufend altes Montierungsband, insgesamt gut.