Details

Das Gemälde ist im Online-Werkverzeichnis unter „Scénes de genre“ aufgeführt (https://catalogueraisonnegeorgeskars.weebly.com). Wir danken Nadine Nieszawer und Dr. Marianne Le Morvan, Bureau d’Art, Paris, für die freundlichen Hinweise bei der Katalogisierung dieses Werkes.

Provenienz:
Erich Cohn, New York;
Ketterer, München 23.11.1987, Los 607 (Nachtrag); Privatsammlung, Süddeutschland, bei Vorgenannter erworben; durch Erbfolge an die jetzigen Besitzer.

Beschreibung

Verso auf dem Keilrahmen mit dem Etikett der Farben- und Rahmenhandlung Lucien Lefebvre-Foinet, Paris, dort mit der Nummerierung „8650“.

Georges Kars, der mit deutschen Wurzeln bereits als Schüler in Prag Malunterricht erhält, studiert von 1899 bis 1905 an der Akademie der Bildenden Künste in München bei Franz von Stuck und an Heinrich Knirrs Privatschule. Während seiner Münchner Zeit trifft er auf Jules Pascin und Paul Klee, mit denen er freundschaftlich verbunden ist. In München stellt er 1913 bei Hans Goltz aus. Auf seinen Reisen nach Portugal und Spanien kommt er 1906/07 in Kontakt mit Juan Gris. Desweiteren setzt er sich mit der Kunst von Goya und Velazquez auseinander, die ihn schwer beeindruckt. Sein Lebensmittelpunkt wird ab 1908 Paris, wo er bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs vorwiegend lebt. In Paris pflegt er den Kontakt mit seinen Kollegen Pascin, Chagall, Apollinaire und Max Jacob. Er ist u.a. Mitglied des Salon d’Automne, des Salon des Indépendants, des Salon des Tuileries und der Prager Sezession. Aufgrund des Krieges muss Kars Paris verlassen und lässt sich in Belgien nieder. 1939 kehrt er an die französische Metropole zurück, flieht jedoch noch im gleichen Jahr nach Lyon und kann sich als Jude schließlich vor den Nazis in die Schweiz retten, wo seine Schwester lebt. Im Jahr 1945 begeht Kars Suizid.
In seinem Œuvre widmet er sich vorwiegend der Landschafts- und Aktmalerei. Das vorliegende Gemälde, das einen weiblichen Akt in kurzer Hose und Top zeigt, liegt in entspannter Pose vor einem Gebüsch am Boden. Hinter dem Akt sieht der Betrachter einen mit einer niedrigen Mauer eingerahmten Bereich, den man nicht weiter definieren kann. Vielleicht ein Schwimmbad? Das Werk ist ein schönes Beispiel der noch recht sorglosen Zeit der 1920er Jahre.