Gabriele Münter

Kiesbruch am Staffelsee

Details

Literatur:
19. Kunst & Antiquitäten Messe Hannover in: Artis – Zeitschrift für neue Kunst, Ausg. 4/87, S. 47, mit Farbabb.

Provenienz:
Nachlass der Künstlerin, verso mit dem Nachlassstempel;
Galerie Orangerie-Reinz, Köln (bis 1988);
Karl & Faber, 30.11./1.12.1988, Los 910;
dort vom Vorbesitzer erworben, Privatsammlung, Bayern;
durch Erbfolge an die jetzigen Besitzer, Privatsammlung, Süddeutschland.

Beschreibung

In den 1920er Jahren malt Münter wenig; nicht zuletzt aufgrund häufiger Ortswechsel bevorzugt sie die Zeichnung. Doch auch in dieser Dekade entstehen einige Landschaftsgemälde, in denen sie sich besonders der Gegend um Murnau widmet. 1929 hält sich die Künstlerin vom 4. Juni bis 3. Oktober in Murnau auf; in dieser Zeit muss das vorliegende Gemälde entstanden sein. Es zeigt einen Kiesbruch mit Blick auf den Staffelsee, im Hintergrund die so typischen, blauen Berge. Wie auch andere Werke aus dieser Zeit, so z.B. die „Lauensteiner Landschaft mit roten Kindern“ von 1926/27, wirkt die Ausführung auf den ersten Blick leicht naiv: Die Eisenbahnwagons ähneln kleinen Spielzeugen, der dicke weiße Nebel aus dem Schornstein erinnert an Wattebällchen. Gleichzeitig unterliegt die Darstellung einem klaren Aufbau mit zwei kreuzförmig verlaufenden Bilddiagonalen. Eine verläuft von links oben durch den See zum Absatz in der Erdklippe rechts, die andere vom Dach des Hauses auf der Klippe, entlang des Klippenrands und zum grünen Bewuchs links unten. Münter gibt in ihren Landschaftsbildern durchweg eine domestizierte Natur wieder, in der sich immer die Spuren der Menschen in Form von Architektur, hier Häuser und Bahngebäude, finden. In dem vorliegenden Gemälde hat der Mensch die Natur durch die Aushebung des Kieses stark beeinflusst. Und dennoch sieht Münter eine harmonische Idylle, malt die Natur im Einklang mit dem Menschen.