Details

Literatur:
Siegfried Wichmann: Carl Spitzweg. Verzeichnis der Werke, Stuttgart 2002, S. 52 (dort als Werk von Philipp Sporrer verzeichnet).

Provenienz:
Galerie Geiger, Basel, 1974;
Privatbesitz, Schweiz.

Beschreibung

Was für ein Malheur, möchte man ausrufen! So sehr in sein Brevier vertieft, merkt der Spaziergänger zu spät, dass er vom Weg abgekommen ist und nun den Schaden hat. Spott und Schadenfreude des Betrachters sind ihm sicher – dem Pfarrer, der in einer sich verändernden Welt versucht, sich zu orientieren. Carl Spitzweg hat vor allem Lehrer und Pfaffen auf diesen Weg geschickt – vorbei an den Naturschönheiten, allein ihrem Wissensdrang und ihrer Neugier verpflichtet, die richtige Abzweigung verpassend. Auch unser Gemälde galt bis vor Kurzem als Werk Spitzwegs – es trägt unten rechts die typische Spitzweg-Raute –, doch ist man sich inzwischen einig, dass es von Spitzwegs Zeitgenossen und Nachahmer Philipp Sporrer stammt. Der Nachlassstempel Spitzwegs wurde dabei ganz offensichtlich in fälscherischer Absicht verwendet. Sporrer hat wiederholt die anekdotischen Themen Spitzwegs aufgegriffen, und auch hier dürfte er nach einer Vorlage Spitzwegs gearbeitet haben, der darin – darauf hat Siegfried Wichmann hingewiesen – französischen Anregungen nachgeht. Ganz offensichtlich stand Honoré Daumiers Karikatur „Wohin einen die Lektüre des Constitutionnel führen kann“, veröffentlicht 1845 in „Le Charivari“, für das Thema Pate.

Mit einem Gutachten von Prof. H. Uhde Bernays, Starnberg, 20. Dezember 1957 (dort als eigenhändiges Werk von Carl Spitzweg bezeichnet).