Details

Claisse 529.

Provenienz:
Sammlung Galerie L’Effort Moderne, Léonce Rosenberg, Paris, Nr. 595;
Privatsammlung, Niederlande;
Sammlung Carl Laszlo, Basel;
Privatsammlung, Schweiz.

Beschreibung

Herbin findet über impressionistische und kubistische Werkphasen schließlich zur Abstraktion. 1917, nach dem kriegsbedingten Verlust fast all seiner Werke, entstehen die ersten abstrakten Gemälde. Im Jahr darauf findet seine erste Einzelausstellung in der Galerie L’Effort Moderne von Léonce Rosenberg in Paris statt. Zu Beginn der 1920er Jahre kehrt Herbin für einige Jahre wieder zu figürlichen Darstellung zurück, erst 1926 wendet er sich endgültig der abstrakten Malerei zu. Die südfranzösische Stadtansicht „Le Pont Romain à Vaison“ steht exemplarisch für diese kurze, aber wichtige Phase in Herbins Werk. Deutlich zeigen sich kubistische Einflüsse, doch – anders als seine Künstlerfreunde und früheren Ateliernachbarn Braque und Picasso – bleibt Herbin stets der Farbe als wichtigem Kompositionselement treu. Das Motiv der Stadt gibt Herbin jedoch nicht einfach realistisch wieder, sondern er kombiniert die kubistisch vereinfachte Architektur mit einer surrealistisch anmutenden Wolkengestaltung. Mit Hilfe der abwechselnd in Licht und Schatten getauchten Häuser auf der rechten Bildseite erzeugt Herbin nur eine geringe Bildtiefe, ansonsten wirken die flach hintereinander gestaffelten Bildelemente wie eindimensionale illusionistische Bühnenbildwände.
„Den im Umgang mit den Werken Herbins weniger geübten Betrachter mag das Hin- und Hergleiten zwischen Gegenstandwiedergabe und Abstraktion irritieren, sogar befremden. Das hätte allerdings erst dann seine volle Berechtigung, ließe sich die Entwicklung bei diesem Maler insgesamt als ein tastendes Suchen, als ein Streben zu einem zunächst unartikulierbaren Ziel hin bewerten. Davon kann in der Tat aber nicht die Rede sein. Für Herbin standen allezeit die einzelnen kreativen Etappen gleichberechtigt nebeneinander.“ (Dr. Horst Richter, in: Ausst.-Kat. Galerie Bargera, Köln 1974, o. S.). – Fest im Schattenfugenrahmen montiert. Zur Katalogisierung nicht ausgerahmt.