Details

Bloch 1329; Baer 425 C (von D).

Provenienz:
Curt Valentin, Buchholz Gallery, New York, verso auf der Rahmenrückwand mit dem Etikett und der gleichen Inventarnummer wie verso auf der Druckgraphik.

Beschreibung

Gedruckt von Lacourière, Paris 1939.

Der Stierkampf fasziniert Picasso sein ganzes Leben. Die Darstellungen reichen von einfachen gestischen Ausdrucksformen des Dramas über die Aktion des Konflikts bis hin zu sehr metaphorischen Bildern, die – wie auch im vorliegenden Blatt – sein Innenleben erforschen.
1934, Picasso ist fast Mitte fünfzig, erlebt der Künstler eine Midlife-Crisis. Die Beziehung zu seiner Frau Olga Chochlowa – einer ehemaligen Balletttänzerin aus der Ukraine – ist seit Jahren angespannt. Durch jahrelange Gesundheitsprobleme, schlechte Ernährung, Angstattacken und zwanghaftes Kaffeetrinken hat Olga die bemerkenswerte Schönheit ihrer Jugend verloren. Gleichzeitig kriselt es in Picassos langjähriger Beziehung zu seiner Geliebten Marie-Thérèse Walter. Neben seinen romantischen Schwierigkeiten kämpft Picasso seit 1932 aufgrund gemischter kritischer Reaktionen auf seine Retrospektiven in Paris und Zürich mit Selbstzweifeln. Sein Leben scheint langsam außer Kontrolle zu geraten.
Dieses Gefühl des Kontrollverlusts zeigt sich in der vorliegenden Radierung. Er selbst stellt sich als Stier dar, Olga als Pferd, während die weibliche Toradora die Züge Marie-Thérèses trägt. Dieses wirre Liebesdreieck spiegelt sich in den ineinander verwobenen Gliedmaßen der Figuren und der wirbelnden Komposition der Radierung wider. Wie auch die Figuren im Bild kämpft der Betrachter, um den Sinn der Szene zu verstehen. Aufwendige Details – die Stiermähne, das bestickte Kostüm des Toreadors und die angespannte Muskulatur des Pferdes – sorgen für visuelle Verwirrung und spiegeln die Komplexität der Situation wider. Langsam entwirrt sich das Bild: Der mächtige Stier wird unwiderstehlich zu der schönen Stierkämpferin gezogen, die sein Untergang sein wird. Inmitten des Chaos des Kampfes gibt er ihr einen sanften Kuss. – Schwach lichtrandig. Besonders im Rand vereinzelte Stockflecken. Oberer und unterer Rand leicht wellig. Verso in den oberen Ecken schwache Montagespuren. Das große Blatt altersgemäß in gutem und schönem Zustand.