Details

Literatur:
Peter Prange: Deutsche Zeichnungen 1450-1800. Die Sammlungen der Hamburger Kunsthalle Kupferstichkabinett, Bd. 1, Köln/Weimar/Wien 2007, S. 322, Nr. 908, Anm. 3.

Provenienz:
Seit Jahrzehnten in Privatbesitz, Norddeutschland.

Beschreibung

Matthias Scheits, künstlerisch in den Niederlanden sozialisiert, orientierte sich auch nach seiner Rückkehr nach Hamburg an der holländischen Genremalerei. Er hielt Szenen des bäuerlichen Lebens fest, die an David Teniers und Adriaen van Ostade gemahnen. An die Stelle der Zierlichkeit und Eleganz der Figuren in seinen Gesellschaftsstücken treten hier Schlichtheit, Humor und an Derbheit grenzender Übermut. Ein Mann drängt sich einer Bäuerin auf und versucht, ihr einen Kuss abzuringen und zieht sich dadurch die Empörung der umstehenden Bauern zu. Die verdutzte Frau versucht sich aus der Umklammerung des Mannes zu winden, wodurch fast der Eindruck eines ausgelassenen Paartanzes entsteht.
Unsere Straßenszene ist 1695 wenige Jahre vor Scheits‘ Tod entstanden und damit die späteste Version des Themas in seinem Werk – bereits 1675 hatte er zwei Zeichnungen zu dem Thema geschaffen (Hamburger Kunsthalle, Kupferstichkabinett, Inv. Nr. 29446; und Albertina, Wien, Inv. Nr. 3686), die kompositionell unserem Gemälde entsprechen. Eine weitere Gemäldeversion befindet sich ebenfalls in Hamburg (Hamburger Kunsthalle, Inv. Nr. 253) und auch in Radierungen aus den Jahren 1672 und 1676 hat sich Scheits mit dem Thema beschäftigt (Hollstein 2 und 15). Die verschiedenen, zeitlich weit auseinanderliegenden Wiederholungen und Varianten zeigen, dass Scheits auf die Komposition der genannten Zeichnungen zurückgriff, doch nicht im Sinne einer Vorzeichnung sondern als autonome, für Sammler bestimmte Wiederholungen.