A. R. Penck (Ralf Winkler)

Deutsch-Russische Verwandlung

Details

Literatur:
Galerie Frank Hänel, A.R. Penck, Menschen und Tiere nach der Öffnung, Übermalungen 1989-91, Wiesbaden 2003, mit farb. Abb. Kat.-Nr. ARP 2005 S. 93 u. S. 97.

Provenienz:
Privatsammlung, Bangkok;
Van Ham, Köln, Achenbach Art Auction 17.-20.6.2015, Los 79.

Beschreibung

In der „Deutsch-Russischen Verwandlung“ begegnen sich zwei weibliche Gestalten, die rechte besitzt üppige weibliche Formen, hat einen imposanten Löwenkopf und zeigt ihrem Gegenüber die scharfen Krallen. Links mit offenen Armen und auf die Löwin zuschreitend eine liebliche, schüchtern wirkende Gestalt, mit auffällig prallem Kuheuter. Penck verleiht seinem Unbehagen Ausdruck, nun da der „Eiserne Vorhang“ gefallen ist und das wohlsaturierte Deutschland sich Russland annähert und dem ehemaligen Feind des Kalten Krieges unbedarft, freundlich und mit offenen Armen entgegengeht. Kennt der Künstler doch auch die Welt auf der anderen Seite des Vorhangs.
Auf seine dort gemachten persönlichen Erfahrungen spielt die Serie „Stasi“ an. Der große, rote Vogel hackt der kleinen, gelben, bereits am Boden liegenden Figur ins Gesicht. Diese ist nackt und dem Vogel unentrinnbar ausgeliefert. Das Wort „AU“ ist zu lesen, „Stasi“ dominiert den linken Bildrand und nennt explizit die Quelle des Schmerzes der gelben Figur.
Neben den zeitgeschichtlichen Aspekten offenbart die Werkgruppe „Menschen und Tiere nach der Öffnung“ noch ein anderes allgemeingültigeres, künstlerisches Anliegen: Das Spiel mit Thema und Variation. Ein Sujet, das in der bildenden Kunst, der Musik und der Literatur einen festen Platz hat. Scheinbar so alt wie der kreative denkende und gestaltende Mensch selbst. Was ist alles möglich? Was wäre, wenn?