Details

Provenienz:
Privatsammlung, Rheinland;
Ketterer Kunst, München 9.12.2016, Los 358;
Privatsammlung, Rheinland.

Beschreibung

Als sich Heinz Mack und Otto Piene 1950 als frisch immatrikulierte Studenten an der Düsseldorfer Akademie kennenlernen, hat sich diese noch nicht erholt von den Folgen des jahrelangen Kontrollapparates des Nationalsozialismus. Die beiden jungen Kunststudenten verbindet sehr schnell eine grunAls sich Heinz Mack und Otto Piene 1950 als frisch immatrikulierte Studenten an der Düsseldorfer Akademie kennenlernen, hat sich diese noch nicht erholt von den Folgen des jahrelangen Kontrollapparates des Nationalsozialismus. Die beiden jungen Kunststudenten verbindet sehr schnell eine grundsätzliche Ablehnung der konservativen Lehrmethoden ihrer Professoren. Beide suchen nicht nur nach neuen Darstellungsmöglichkeiten in der bildenden Kunst, ein kurz darauf gemeinsam in Köln begonnenes Philosophiestudium soll auch die „vielen Fragen beantworten, die nach dem Krieg gestellt werden mussten“ (Heinz Mack, in: Piene – im Gespräch, Düsseldorf 2015, S. 79).Nächtelang diskutieren die Freunde über politische und gesellschaftliche Probleme, auch die gemeinsame Leidenschaft für die Jazzmusik verbindet. Künstlerisch will man sich abgrenzen vom eher düsteren, als verkrustet empfundenen Stil des Informel. „Wir wollten mehr Licht, mehr Raum, mehr Freiheit in die Welt bringen“ (Heinz Mack, in: s.o., S. 84). Die Verwendung ganz neuer Materialien und eine Klarheit der Farbe, zunächst vornehmlich Schwarz und Weiß, soll eine „helle Welt“ gestalten. Die Atelierausstellungen der Künstler werden bald auch von einem größeren Publikum wahrgenommen und bezeugen eine Aufbruchstimmung, die Mack und Piene ermutigen, ihre Ideen weiter zu verfolgen.
Bereits 1957 beginnen erste Überlegungen, durch ein neues Kunstmagazin die Visionen der Bewegung einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen: „Also hieß das Magazin, das Heinz Mack und ich erarbeiteten, ZERO; (…) ZERO existierte, weil wir es als Markenzeichen benutzten. (…) Es klang richtig und schien irgendwie magisch zu sein. Es setzte sich unmittelbar durch“ (Otto Piene, in: s.o., S. 146). Die Veröffentlichung der ersten Ausgabe am 24. April 1958 darf damit als offizielle Geburtsstunde der Gruppe gelten. Und tatsächlich trug die Publikation maßgeblich dazu bei, die Ideen der Düsseldorfer Künstler in kürzester Zeit auch international bekannt zu machen. Es finden sich unmittelbar Gleichgesinnte in ganz Europa, und in den folgenden Jahren kommt es zu zahlreichen Ausstellungsprojekten mit Künstlergruppen aus den Niederlanden, Italien, Belgien, Frankreich und Südamerika. 1961 wird Günther Uecker drittes Mitglied der Gruppe: „(…) der hat ein ganz eigenes Temperament und konnte viel zu dem ZERO-Geist beitragen. (…) Ein Dritter würde ausgleichend, aber auch stimulierend wirken. Das hat sich auch bewahrheitet“ (Heinz Mack, in: s.o., S. 86). Künstlerisch verbindet die drei Freunde vor allem ihre experimentelle Neugierde für bis dahin in der Kunstwelt völlig neuartige Materialien: Metallische Reliefs bei Mack, Lochraster bei Piene, Nägel bei Uecker. Aber auch aktuelle Erkenntnisse der Naturwissenschaft und eine große Begeisterung für die Technik finden ihre Anwendung in den häufig gemeinsam gestalteten Werkkompositionen. Nicht die Künstlerpersönlichkeit, sondern die sinnliche Erfahrung des Betrachters soll dabei immer im Vordergrund stehen. 1964 werden Ausstellungen von Mack, Piene und Uecker als ZERO-Gruppe in New York City und Washington D.C. gezeigt. ZERO ist damit die erste deutsche Kunst nach 1945, die vom Publikum in den USA begeistert aufgenommen wird. Knapp 50 Jahre später, 2013, wird am selben Schauplatz eine regelrechte „ZERO-Renaissance“ mit der vielbeachteten ZERO-Schau im Guggenheim Museum ihren Anfang feiern. Diese neu erwachte, international verbreitete Begeisterung für ZERO hält bis heute an und hat der Bewegung längst ihren festen Platz in der Kunstgeschichte gesichert.
Doch nach den ersten erfolgreichen Jahren soll sich die Gruppe 1966 zunächst trennen. Am Abschlussabend der letzten gemeinsamen Ausstellung in der Städtischen Kunstsammlung Bonn „(…) fand ZERO ein positives Ende. Über tausend Menschen haben es in einer Nacht gefeiert. Ich selbst hatte mir dieses Ende gewünscht: ein Ende, das ich genauso befreiend fand wie den Anfang von ZERO“ (Heinz Mack, zitiert nach: Ulrike Schmitt: Zero ist gut für Dich, in: Sediment. Mitteilungen zur Geschichte des Kunsthandels. Heft 10, 2006). Jeder der drei Künstler entwickelt in den Jahren danach seine bisherigen Positionen weiter, bleibt jedoch den ZERO-Ideen verpflichtet. Die Wege verlaufen künstlerisch und biographisch unterschiedlich – im Rückblick ist es aber gerade jene enge Verbundenheit der ZERO-Zeit, die das jeweilige Werk der Künstler maßgeblich prägte: „Null oder Zero, die alleine nichts ist, aber anderen zur Größe verhelfen kann“ (Tijs Visser, Gründungsdirektor der ZERO-Foundation, in: Piene – im Gespräch, Düsseldorf 2015, S. 9).
– Schwache, wohl atelierbedingte Knickspuren, insgesamt in guter Erhaltung. Verso fest im verglasten Rahmen montiert. Zur Katalogisierung nicht ausgerahmt.